1000 Turbinen für den Weltfrieden

Satellitenbild vom Mittelmeer zur Zeit der letzten Kaltzeit, zugleich ein Bild davon wie Atlantropa aus dem Weltraum aussehen würde.

1000 Turbinen für den Weltfrieden

Anfang des 20. Jahrhunderts schien eine fruchtbare Zeit für geopolitische Grossprojekte zu sein. In den Niederlanden baute man ab 1920 beispielsweise während zwölf Jahren einen 32 Kilometer langen Deich, um die Zuiderzee von der Nordsee zu trennen. Entstanden ist der Süsswasser-Binnensee IJsselmeer und ebenfalls sogenannte Polder – neue Landflächen zur Bebauung und landwirtschaftlichen Nutzung. Das Zuiderzeewerke-Projekt diente aber in erster Linie dem Hochwasserschutz.

Ein anderes Projekt beschäftigte sich ebenfalls mit der Eindämmung von Wasser. Doch anders als in den Niederlanden blieb Atlantropa eine Idee auf Papier. Hermann Sörgel, Münchner Architekt und Schriftsteller, wollte nichts Geringeres als den Wasserspiegel des Mittelmeers senken. 500’000 Quadratkilometer neues Land sollten so freigelegt werden und Europa mit Afrika verbinden.

Ende der 1920er-Jahre begann Sörgel damit, für seinen Superkontinent zu weibeln. Es ging um eine Grundinvestition von neun Milliarden Dollar. Tatsächlich legte das Projekt des «Weltbaumeisters», wie sich der Münchner selbst nannte, schnell an Popularität zu. Die internationale Presse interessierte sich. Atlantropa gewann namhafte Unterstützer. Wohl auch, weil Sörgel nicht bodenlos herum fantasierte, sondern früh Fachkräfte beizog, um die Umsetzbarkeit seines Projekts zu beurteilen. Darunter übrigens auch ein Schweizer Bauingenieur namens Bruno Siegwart.

Sörgel war bekennender Pazifist und erhoffte sich vom länderübergreifenden Projekt friedensstiftende Auswirkungen. Die Ausführung hätte so viele Ressourcen – personeller als auch finanzieller Natur – gebunden, dass nicht mehr ausreichend Mittel für einen Krieg vorhanden gewesen wären. Atlantropa sollte also Ruhe ins damals konfliktreiche Europa bringen sowie Arbeit und Lebensraum schaffen. Doch damit nicht genug.

Ein Staudamm bei Gibraltar – 2.5 Kilometer breit, mehrere hundert Meter hoch, über 200’000 Arbeiter, 10 Jahre geplante Bauzeit –  versprach Unabhängigkeit von fossilen Energiequellen. Sörgel beabsichtigte das Atlantropa-Herzstück zum grössten Kraftwerk der Welt zu machen, 1000 Turbinen hätten den ganzen neuen Kontinent mit Strom versorgt.

Illustration von Vladimir Putin als Strichzeichnung

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