10’000 Schritte sollst du gehen

Eine Person am laufen

10’000 Schritte sollst du gehen

Gute Anbindungen im öffentlichen Verkehr und Fortbewegungsmittel, die hier bezogen und da abgestellt werden können. Online-Shopping- und Food-Delivery-Anbieter*innen, die direkt vor die Wohnungstür liefern. Das WG-Zimmer mitten in der Stadt. Jobs, die zu 99% vor dem Bildschirm erledigt werden können.

All diese Annehmlichkeiten im heutigen Leben führen dazu, dass wir uns kaum noch zu Fuss fortbewegen müssen. Dass wir das trotzdem tun, dafür sorgen Fitness-Armbänder, Smart-Watches, Smartphones und andere Devices, die unsere Bewegungen tracken und mit Idealwerten abgleichen.

Dabei werden nicht nur Mitglieder*innen unserer digital-affinen Generation täglich daran erinnert, das eine zu tun und das andere zu lassen, sondern auch ältere Semester. Das dürfte spätestens seit dem Film «The Two Popes» klar sein, wo, der von Anthony Hopkins verkörperte, Papst Benedikt XVI. von einer Health-App daran erinnert wird, er müsse vor seinem Abendgebet noch ein bisschen im Park herumwandern, damit er sein Tagessoll erreicht.

10’000 Schritt gelten dabei als Mass der Dinge. Diesen Wert haben aber nicht etwa Wissenschaftler*innen in einer Studie eruiert, sondern er entstammt den Marketinganstrengungen eines japanischen Unternehmens. Yamasa lancierte 1965 einen Schrittzähler, der stolze 2’200 Yen kostete, was damals mehreren hundert Franken entsprach. Nicht wenig Geld. Und dazu handelte es sich beim Gerät um eine Innovation, für die mensch erst noch Interesse schaffen musste.

Der Schrittzähler würde sich nicht von selbst verkaufen, das war klar. Darum brauchte es ein solides Marketingkonzept. Und so vermarktete Yamasa das Gerät nicht nur mit dem Slogan «Healthcare with 10,000 steps/day» («Gesundheit mit 10’000 Schritten pro Tag»), sondern fand mit «Manpo-kei» einen Namen, der sich gleichermassen als Wort wie auch als Schriftbild anbot. Manpo-kei heisst so viel wie «10’000-Schritt-Messgerät» und ähnelt, geschrieben in japanischen Lettern, einem gehenden Menschen. Genial!

So ganz daneben scheint die behauptete Anzahl Schritte dann aber auch gar nicht zu sein. Immerhin empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10’000 Schritte am Tag zu absolvieren. Und die Zahl liegt auch im soliden Mittelfeld der Werte, die in wissenschaftlichen Studien genannt werden. Einige Forscher*innen kommen zum Schluss, dass schon 4000 Schritte der Gesundheit zuträglich wären. Andere Wissenschaftler*innen proklamieren, dass 7500 Schritte pro Tag ideal sind und alles darüber als Kür abgetan werden kann. Und nochmals andere finden, mensch müsste zwischen 15'000 und 18’000 Schritte pro Tag zurücklegen, um der eigenen Gesundheit einen Gefallen zu tun.

So scheint es, als ob Yamasa nicht nur eine ziemlich wahre Halbwahrheit in die Welt gesetzt hat, sondern auch eine, mit der genug Umsatz generiert werden konnte, um mehrere Jahrzehnte zu überleben. Denn das Unternehmen existiert noch heute – und stellt nach wie vor Schrittzähler her.

Ein weisser Game Controller

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