Als die Münzen knapp wurden

Illustration von europäischen Kolonisten in Südamerika

Als die Münzen knapp wurden

Im 15. Jahrhundert begann in Europa eine Hungerkrise, die zwischen 1457 und 1464 ihren Höhepunkt erreichte. Zuvor hatte die Pest ganze Landstriche entvölkert, der hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich hatte zu grossen Verwerfungen geführt und auch der Einfall der Osmanen trug dazu bei, dass die Wirtschaft auf dem ganzen Kontinent kriselte. 

Als Folge dieser Ereignisse ging das Geld aus – und das wortwörtlich: Die für die Produktion von Münzen nötigen Edelmetallvorräte waren in Europa nahezu erschöpft. Gold und vor allem auch Silber konnten von den Minen auf dem Kontinent nicht mehr in ausreichendem Mass gefördert werden.

Schon Ende des 14. Jahrhunderts schrumpften die Erträge in französischen und schwedischen Minen. Die grösste Silbermine Europas in Kutná Hora in der heutigen Tschechischen Republik stellte ihren Betrieb 1422 ein. Weil das Metall knapp wurde, mussten zusehends auch die Münzprägungsstätten in England, Holland und Flandern ihren Betrieb beenden oder reduzieren. 

So konnte der englische König Henri IV in den Jahren von 1412 und 1414 nur zwei Tonnen neuer Münzen herstellen – während sein Ur-Grossvater Edward I zwischen 1278 und 1280 noch 100 Tonnen Silbermünzen geprägte hatte.

Kreativität war gefragt, um die Knappheit zu beheben. Mit neu entdeckten Gewinnungs- und Bearbeitungsverfahren – darunter etwa das Herauslösen von Silberanteilen aus den Kupfervorkommen in Zentraleuropa – konnte der Ertrag wieder gesteigert werden. 

Im Erzgebirge stiess man dann auch auf neue Vorkommen und ab den 1460er-Jahren nahmen teilweise auch die stillgelegten Minen wieder ihren Betrieb auf. Zusätzlich wurden Edelmetalle aber auch vermehrt von Weither importiert – und die Geldknappheit war einer der Gründe, warum die Europäer sich auf Eroberungszüge in die Neue Welt begaben.

Im 16. Jahrhundert begannen die spanischen Konquistadoren Lateinamerika zu kolonialisieren. Sie stiessen auf riesige Silberadern und schifften plötzlich hunderte Tonnen des Edelmetalls nach Europa. Am Cerro Rico, einem Berg in den Anden im heutigen Bolivien, lösten sie es mit Quecksilber aus dem Gestein, schindeten dabei die lokalen Indios massenhaft zu Tode und verwerteten es sogleich in einer vor Ort erstellten Münzpresse. Das Silber wurde von den spanischen Herrschern zur Finanzierung ihrer Flotten, zum Kauf von Waren und zum Bau von Palästen verwendet und so zunehmend zum Wirtschaftstreiber. 

Kaufleute, Adelige und Banken konnten profitieren und zunehmend Reichtümer anhäufen. Parallel dazu begannen sich jedoch die Preise alltäglicher Güter in Europa immer weiter zu erhöhen – die so genannte Preisrevolution begann. 

Zeitgenössische Autoren wie der französische Staatstheoretiker Jean Bodin machten den Edelmetall-Import dafür verantwortlich; aus heutiger Sicht scheinen aber auch das Bevölkerungswachstum, eine erhöhte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sowie die neuen Technologien im europäischen Bergbau dazu beigetragen zu haben. 

Die aufgrund dieser Faktoren entstehende Erhöhung der Geldmenge befeuerte auf jeden Fall ein Phänomen, was wir noch heute kennen: Die Inflation – das Gegenteil der Knappheit.

Abbildung Büro mit verschiedenen Arbeitsinseln und Personen

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