Ayn Rand: Eine kontroverse Ikone

Portrait von Ayn Rand

Ayn Rand: Eine kontroverse Ikone

Der deutsche Journalist und Schriftsteller Tom Hillenbrand hat Anfang März sein neustes Buch veröffentlicht. Montecrypto heisst der Thriller, dessen Hauptfigur – ein Privatdetektiv – einem Schatz von Kryptowährung nachjagt. Für den Roman hat Hillenbrand nach eigenen Aussagen lang in der Szene rund um die digitalen Währungen recherchiert. Er kommt zum Schluss, dass viele der entsprechenden Exponenten – grösstenteils junge, weisse Männer – politisch dem libertären Lager zuzurechnen seien. Libertäre sehen den Staat sehr kritisch und fordern, diesen zurückzubinden oder gar abzuschaffen, um so ein möglichst grosses Mass an individueller Freiheit zu ermöglichen. Inspiration für diese Haltung, so Hillenbrand, liefere der Szene dabei die umstrittene Autorin Ayn Rand.

Rand, 1905 in St. Petersburg als Alisa Rosenbaum geboren, übersiedelte 1926 in die USA und lebte lange Zeit in Manhattan. Ihr Debütroman We the Living (deutsch Vom Leben unbesiegt) – eine Kritik an kollektivistischen Systemen wie der Sowjetunion ihrer Jugendzeit – erschien 1936. Das Buch stiess auf verhaltene Reaktionen. Um einiges mehr Erfolg war ihrem Hauptwerk beschieden: Das tausendseitige Epos Atlas Shrugged (deutsch Der Streik) verkauft sich bis heute und gilt gerade bei Teilen der politischen Rechten in den USA als Meilenstein. Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan etwa galt als bekennender Bewunderer. Ja: Gar Ex-Präsident Trump behauptete, ein Fan zu sein – obwohl dessen Bücherkonsum ja bekanntlich eher überschaubar sein dürfte.

Rand begeisterte Greenspan, Trump und andere mit ihrer Philosophie des so genannten Objektivismus: Ihre Idee eines «rationalen Egoismus» stellt Unternehmertum, Eigenverantwortung und Zielstrebigkeit in den Vordergrund. Sozialstaatliche Institutionen lehnen Rand und ihre Romanfiguren ab – befördern sie doch in diesem Denken nur Faulenzer und Parasiten. Individuelle Rechte, Besitz und ein Laissez-Faire-Kapitalismus sind in diesem Denken die Grundlage eines gerechten Systems, das heldenhafte Individuen für ihre Leistungen belohnt und Weichlinge nicht länger begünstigt. Das klingt – was Kritiker*innen von Rand zu deren Lebzeiten schon betonten – herzlos, kalt und darwinistisch. Dennoch haben Rands Ideen die amerikanische Politik mitgeprägt und insbesondere die von der Reagan-Regierung der 1980er Jahre vorangetriebene Politik der staatlichen Deregulierung mitbeeinflusst. 

Wie die Begeisterung der Krypto-Szene zeigt: Rands Ideen stossen auch heute noch auf Anhänger*innen. Auch Hollywood-Regisseur Zach Snyder (verantwortlich u.a. für die Comic-Adaptionen «300», «Watchmen» und jüngst «Justice League») scheint anscheinend ein Fan von Rand zu sein. Schon länger möchte er ihren höchst kontroversen Roman Fountainhead (1943) als Film umsetzen. In nächster Zeit ist auf jeden Fall nicht damit zu rechnen: Der Regisseur findet, der Film würde unter den derzeitigen politischen Umständen auf zu viel Widerstand treffen – was auch immer das bedeuten mag. 

Bild von Bill Gates mit verschmitztem Lächeln

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