Bezahlen oder zwangsrasiert werden

Collage mit Bartsteuermarke aus dem Jahr 1705

Bezahlen oder zwangsrasiert werden

1698 veranlasste der russische Zar Peter der Grosse eine sogenannte Bartsteuer. Nach einer Europareise bemerkte er, dass die russische Gesellschaft in seinen Augen der «moderneren» westeuropäischen hinterher hinkte. Die Steuererhebung sollte bewirken, dass niemand mehr einen Bart tragen wollte und sich die Gesellschaft somit modernisierte.

Um das Verschwinden des Barts aus dem öffentlichen Bild zu forcieren, ermächtigte der Zar die Polizei Männer öffentlich zu rasieren, falls diese sich weigerten für ihren Bart steuern zu bezahlen. Viele Altgläubige verweigerten eine Glattrasur, da der Glaube herrschte, das Barttragen sei für religiöse Männer ein Muss.

Die erhobene Steuer war vom Einkommen des bärtigen Mannes abhängig: So mussten reiche Kaufmänner 100 Rubel pro Jahr, adelige Männer, die am Hof des Zars tätig waren, Militärs oder Regierungsangestellte nur 60, simple Kaufmänner und Männer aus der Stadtbevölkerung ebenfalls 60 und Moskauer 30 Rubel pro Jahr zahlen. Bauern mussten bei jedem Besuch in der Stadt eine Kopeke zahlen – 100 Kopeken ergeben einen Rubel.

Wer seinen Bart behielt und entsprechend Steuern zahlte, musste ein sogenannte Bartsteuermarke bei sich tragen. Dabei handelte es sich um eine kupferne oder silberne Quittungsmünze, bei der auf der einen Seite ein russischer Adler und auf der anderen der Unterteil eines Gesichts mit Nase, Mund, Schnauz und Bart eingraviert war. Wer keine vorweisen konnte, wurde rigoros zwangsrasiert.

1722 wurde die Bartsteuer erneuert und erst 1772 durch die Zarin Katharina II. aufgehoben. Sie versuchte damit die Altgläubigen wieder zurück zu holen, die Aufgrund ihres religiösen Dilemmas ins Zarenreich angrenzende Umland geflüchtet waren, um der Schmach einer Rasur zu entgehen.

Bartsteuermarke aus dem Jahr 1705
Abbildung Goldvreneli

Als Vreneli unters Messer musste

Das Goldvreneli gilt als die bekannteste Schweizer Goldmünze. Die abgebildete Frau, eben das Vreneli, musste einige Anpassungen über sich ergehen lassen, bis sie tatsächlich in Umlauf gebracht wurde.