Brauchen wir eine Ökodiktatur?

Luftaufnahme eines Mähdreschers

Brauchen wir eine Ökodiktatur?

Wir wissen, dass Fliegen die Umwelt belastet. Trotzdem fliegen wir so häufig wie nie zuvor: 2017 zählte die Branche weltweit rekordhohe vier Milliarden Flugpassagiere. Ähnlich verhält es sich beim Fleischkonsum. In Deutschland beispielsweise sollen 90% bereit sein, für gutes Fleisch tiefer ins Portemonnaie zu greifen – aber nur etwa 4% lassen ihren Worten auch Taten folgen. Die Zahlen sprechen für die Ökoroutine, ein Konzept von Michael Kopatz, über das er 2018 ein Buch geschrieben hat.

Der Umweltwissenschaftler glaubt nicht mehr daran, dass sich Konsumenten aus freien Stücken für eine bessere Welt einsetzen und ist der Meinung, dass sich Moralappelle nicht in unserem Handeln abbilden und maximal ein schlechtes Gewissen verursachen. Deshalb plädiert Kopatz  dafür, dass Regierungen Limits und Standards einführen sollen – er spricht explizit nicht von Verboten. «Verhalten ändert sich erst, wenn sich die Verhältnisse ändern», ist der Wissenschaftler überzeugt.

Was Kopatz Ökoroutine nennt, nennen andere Ökodiktatur. Damit ist der Wissenschaftler nicht einverstanden: Es gehe nicht darum, jemanden etwas wegzunehmen, nur die Expansion zu vermeiden, sagte er in einem Interview. Eigentlich ist es egal, wie wir es nennen, letztlich geht es um eine notwendige Veränderung. Die Weltbank prognostizierte letztes Jahr, dass bis 2050 über 140 Millionen Menschen aufgrund der Klimaveränderungen auf der Flucht sein könnten.

Nebst den politischen Taten braucht es gemäss Kopatz aber nach wie vor «bürgerschaftliches Engagement». Das erreicht gerade einen Boom. Vielleicht auch dank Greta Thunberg. Die junge Aktivistin inspiriert derzeit x-tausend Menschen zum Demonstrieren. In 13 Schweizer Städten gingen Anfang Februar über 40’000 Menschen auf die Strasse und forderten unter anderem, dass inländische Treibhausgas-Emissionen bis 2030 auf Netto Null sinken sollen.

Gemäss einer Umfrage des United Nations Global Compact und Accenture fordert auch eine Vielzahl von Unternehmen mehr politische Richtlinien. Der Profit einer strengeren Klimapolitik wäre doppelt lukrativ: Eine amerikanische Studie hat errechnet, dass die Wirtschaft 20 Billionen US-Dollar einsparen könnte – sofern die Ziele des Übereinkommens von Paris um ein halbes Grad Celsius übertroffen werden.

Für strengere Klimaschutz-Richtlinien, auch wenn es Veränderungen und Verzicht bedeutet?

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