Bruttonationalglück – was ist das?

Foto von zwei bhutanischen Mönchen

Bruttonationalglück – was ist das?

Schweizerinnen und Schweizer sind glücklich, wenn es um ihr täglich Brot geht. Das belegt beispielsweise der Global Workforce Happiness Index des Beratungsunternehmens Universum. Weltweit wurden 200’000 junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus 57 Branchen zu ihrer Jobzufriedenheit befragt. Resultat: Platz 12 für die Schweiz. Ähnlich positive Zahlen lieferte eine Umfrage der Karriereplattform XING. 85% der Schweizer sind sehr oder eher zufrieden mit ihrem Job.

Auch der übergreifendere Happiness Report zeugt von einem glücklichen Schweizer Volk. Die jährliche Publikation der Vereinten Nationen misst anhand von sechs Faktoren, die zur Zufriedenheit beitragen sollen, das Glück. Darunter das Einkommen, aber auch abstrakte Parameter wie die Freiheit, Lebensentscheidungen autonom treffen zu können. Zahlen aus 156 Ländern wurden für den diesjährigen Report ausgewertet, die Schweiz darf sich demnach zu den fünf glücklichsten Nationen zählen.

Beim Happy Planet Index (HPI) steht die Schweiz, jedenfalls in der Kategorie Wohlbefinden, sogar auf dem Siegertreppchen. Anders sieht es beim eigentlichen Index aus, der sich mit der Frage beschäftigt, in welchem Verhältnis ökologische Effizienz und Wohlbefinden stehen. Hier landet die Schweiz auf Platz 24 von insgesamt 140 Nationen. Das HPI-Ranking dürfte vor allem auf das schlechte Ergebnis im Bereich «Ökologischer Fussabdruck» zurückzuführen sein: Wir belegen Platz 120.

Trotz teilweise ähnlichen Tendenzen der verschiedenen Indexe: Die Reports sollten kritisch betrachtet werden, denn die Definition von Glück ist stark vom befragten Individuum und seinen persönlichen Empfindungen abhängig. Es soll zwar einen Zusammenhang zwischen monetärem Reichtum und Glück geben. Aber auch dieser Parameter muss in einen Kontext gestellt werden: In nordischen Ländern, die solche Glücksindexe oft anführen, ist beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf längst nicht am höchsten und die Bevölkerung zahlt eher hohe Steuern. Doch es existieren beispielsweise kostengünstigere Modelle im Gesundheits- oder Bildungsbereich als in Ländern mit höherem BIP pro Kopf.

Bhutan will seine Glücksmessung nicht irgendwelchen internationalen Indexen überlassen, zumal es das Bruttoinlandsprodukt längst nicht als wichtigsten Glücksindikator einstuft. Hier gilt das Bruttonationalglück als Mass der Dinge. 33 verschieden gewichtete Indikatoren sollen eine ganzheitlichere Perspektive auf das Thema ermöglichen. Bhutan setzt dafür sogar eine eigene Staatskommission samt Präsidenten ein.

Zwei junge Mädchen bei einem Schönheitswettbewerb mit Geld und Tiara.

Vom Überfluss zum Überdruss?

Der Film «Generation Wealth» befasst sich mit unserer Gier nach Reichtum. Stehen die Zeichen der Zeit auf Untergang? Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Gesellschaft aufgrund ihres Grössenwahns zugrunde geht.