Dank Unwahrscheinlichkeit reich geworden

Ein schwarzer Schwan im Wasser

Dank Unwahrscheinlichkeit reich geworden

«Der Schwarze Schwan» hielt sich 36 Wochen lang in der Bestseller-Liste der New York Times, wurde in über 30 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Im 2007 erschienenen Buch beschäftigt sich Nassim Nicholas Taleb nicht etwa mit einem biologischen Randphänomen, sondern mit der «Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse».

Der Autor referiert mit dem Bild des schwarzen Schwans unter anderem auf den Philosophen Karl Popper: Auch wenn man nur immer weisse Schwäne sieht, kann man nicht ausschliessen, dass irgendwo ein schwarzer Schwan existiert. Taleb bezeichnet alle Ereignisse, die höchst unwahrscheinlich sind, als Schwarze Schwäne.

Schwarze Schwäne haben laut Taleb zudem weitreichende Konsequenzen und werden in der Retrospektive vermeintlich vorhersehbar. An solche nachträgliche Erklärungen glaubt der Finanzmathematiker allerdings nicht. Sie seien bloss da, um uns vorzugaukeln, wir würden verstehen, was passiert. «Was natürlich Bullshit ist», wie Taleb in einem Spiegel-Interview klar stellte.

Ein historisches Beispiel für einen Schwarzen Schwan ist die Erfindung des Kühlschranks. Vor diesem Ereignis musste man zur Kühlung Natureis aus nördlichen Gegenden nutzen. In den USA hatten dank dem Eishandel 90’000 Menschen Arbeit, die Branche erzielte einen Jahresumsatz von fast 1 Milliarde US-Dollar. Durch die Möglichkeit der industriellen Wassereisherstellung wurde der Handel mit Natureis hinfällig.

Taleb weiss Schwarze Schwäne für sich zu nutzen – für seine Autoren-Karriere und für sein Bankkonto. Der 59-Jährige handelte früher an der Börse, doch nicht nach den üblichen mathematischen Modellen, sondern nach seinen eigenen Erkenntnissen und Überzeugungen. Er setzte auf den Verfall von Kursen und wurde damit reich. 

Auch ausserhalb des ökonomischen Kontexts gibt es Schwarze Schwäne. Die Terroranschläge des 11. September 2001 fallen in diese Kategorie von Ereignissen, ebenso die Erfindung des Internets. Für die amerikanische Zeitschrift Psychology Today zählt auch US-Präsident Donald Trump zu den Schwarzen Schwänen.

Portrait von Giacomo Corneo

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