Das Grundeinkommen lebt… in der Schweiz

Das Team von Ting

Das Grundeinkommen lebt… in der Schweiz

War Max Frischs Fragebogen die Initialzündung für Ting? Mensch weiss es nicht. Doch die Fragen, die nach Whiskey-getränkten Nächten klingen, könnten ebenso gut zu Ting geführt haben. «Halten Sie sich für einen guten Freund?», lautet eine von ihnen. Eine andere: «Wissen Sie, was Sie brauchen?» Und die Ting-Schöpfer*innen würden wohl bei beiden vehement nicken. 

Ihnen zufolge ist Ting das erste Grundeinkommen der Welt, das über eine Community funktioniert. Vor drei Jahren gründete der Verein Grundeinkommen mit dem Zürcher Future-Tech-Thinktank Dezentrum das Projekt. Inzwischen sollen rund 200 Mitglieder*innen gemäss Migros Magazin monatlich 16’000 Franken verteilen. Seit der Lancierung seien 68 Monate Grundeinkommen ausbezahlt worden. Nicht schlecht.

Wieso das alles passiert? «Wir leben in spannenden Zeiten», erklären die Ting-Macher*innen auf ihrer Website. «Die Art, wie wir arbeiten und leben, verändert sich auf fundamentale Weise und wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken.» Die rapiden Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt würden die heutigen, gesellschaftlich verankerten Institutionen an ihre Grenzen bringen. Ting wolle dem etwas entgegensetzen. Das Prinzip ist simpel: Alle Ting-Mitglieder*innen bezahlen einen bestimmten Betrag in die Gemeinschaftskasse und können sich um eine bezahlte Auszeit bewerben. Oder in der Ting-Lingo: Um eine Weiterentwicklung. 

Von Ting profitieren unter anderem: Ein Grafiker, der eine Plattform für Food-Kooperativen baut. Eine Designerin, die Periodenunterwäsche entwickelt. Oder eine Lehrerin und Mutter, die eine Weiterbildung absolviert. «Ting ist nicht einfach ein Netzwerk von Kleinkreditgebern», sagt Florian Jakober, der seit Beginn bei Ting dabei ist, im Migros Magazin. «Die Motivation, etwas zu bewegen und einander zu helfen, ist in der Community enorm.»

Was Ting im Kleinen bereits lebt, wird auch im Grossen gedacht – das Grundeinkommens ist nicht neu. Milton Friedman, einer der wichtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts entwickelte mit der negativen Einkommenssteuer ein ähnliches Modell. Und in etlichen Ländern dieser Welt existieren Pilotprojekte, die mit dem Prinzip arbeiten: In Finnland schaffte es das Grundeinkommen 2015 in den Koalitionsvertrag der Regierung. In Indien gibt es von Armut betroffenen Dörfern eine soziale Absicherung. In Deutschland forscht das Max-Planck-Institut in einer Langzeitstudie an den Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens – und in Stanford existiert gar ein ganzes Basic Income Lab

Und in der Schweiz? Da stimmte die Bevölkerung 2016 sogar landesweit über dessen Einführung ab – allerdings stemmten sich drei von vier Abstimmenden dagegen. Solange es im Grossen noch nicht sein soll, muss es eben im Kleinen passieren. 

Bild eines goldenen Kreises – Symbold für die Abstimmung über das Bedingungslose Grundeinkommen in der Schweiz

Einfach so Geld bekommen?

Die Schweiz hat ein bedingungsloses Grundeinkommen per Volksentscheid abgelehnt. Ein US-Startup testet das Konzept nun gross angelegt in Kenia.