Dichtestress im Festivalsektor

Foto von vielen Menschen an einem Openair

Dichtestress im Festivalsektor

Der Sommer läuft auf Hochtouren und damit blüht auch wieder die hiesige Festivallandschaft auf. Die Schweiz zählt zu den Ländern mit der höchsten Festivaldichte. Alleine im Musikbereich werden jährlich 400 Veranstaltungen organisiert. Praktisch jedes Dorf habe mittlerweile ein Open Air, kommentierte der Schweizer Konzertveranstalter André Béchir die Lage gegenüber SRF

Mit dieser Einschätzung steht Béchir nicht alleine da. Seit Jahren ist von Übersättigung des Marktes und von einem Verdrängungskampf die Rede. Verschiedene kleinere Veranstalter mussten in den vergangenen Jahren das Handtuch werfen, etwa jene der Freiluft-Konzertreihe «Mittwochsmusig» im aargauischen Villnachern oder das Lakeside-Festival in Hergiswil bei Nidwalden.

Auch die grossen Player kämpfen: Das Open Air St. Gallen beispielsweise, das einst regelmässig weit vor der Veranstaltung ausverkauft war, verzeichnet seit einigen Jahren schleppende Vorverkäufe. Und erst vor Kurzem kommunizierte das 21-jährige Blue Balls Festival, dass die Existenz des mehrtägigen Anlasses am Luzerner Seebecken auf wackligen Beinen stehe.

Nicht nur die zahlreiche Konkurrenz ist eine Herausforderung, die steigenden Kosten sind es ebenfalls. Die Gagen für Künstler schnellen seit Jahren in die Höhe. Am Berner Gurtenfestival bezahlten die Organisatoren 2013 noch rund 250’000 Euro für einen Hauptact, mittlerweile ist es doppelt so viel. Als Treiber gelten unter anderem wegbrechende Einnahmen durch Tonträgerverkäufe, die irgendwo anders wieder wettgemacht werden müssen.

Ebenso sprechen Veranstalter von stetig steigenden Kosten für die Infrastruktur. Mehr Auflagen seitens Behörden und aufwändigere Bühnenshows bedeuten letztlich mehr Ausgaben für die Organisatorinnen und Organisatoren. 

Die Kostenzunahme seitens Festivalveranstalter ziehen auch höhere Kosten seitens Publikum mit sich, denn die Mehrkosten werden auf die Ticketpreise abgewälzt. 3-Tages-Pässe der grossen Festivals kosten durchschnittlich 36% mehr als noch vor zehn Jahren. 

Mathieu Jaton, Leiter des Montreux Jazz Festival, geht davon aus, dass der Festivallandschaft Schweiz viele Veränderungen bevorstehen. Wer sich nicht als Marke etabliert habe, werde es künftig schwer haben, äusserte er gegenüber dem Tages-Anzeiger

Jatons Veranstaltung zählt mit über 200’000 Besucherinnen und Besuchern zu den publikumsstärksten Festivals der Schweiz. Das beliebte Festival erfreut auch die lokale Wirtschaft. Schätzungen zufolge soll die Veranstaltung 50 bis 55 Millionen Franken zusätzlichen Umsatz an der Montreux Riviera generieren.

Foto eines Mikrofons

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