Die Hitmaschine TikTok

Ausschnitt aus dem Video zu “Old Town Road” von Lil Nas X

Die Hitmaschine TikTok

«Old Town Road» von Lil Nas X, Drake’s «Toosie Slide», «Say So» von Doja Cat oder «Death Bed (Coffee for Your Head)» von Powfu – diese Songs haben eine Gemeinsamkeit. Alle wurden dank der Kurzvideo-Plattform TikTok zu Welthits. 

Hundertausende User der App posteten Videos zu den Songs und trieben diese damit viral an die Spitze der Charts. Die Musiker*innen sind sich der Macht der Plattform durchaus bewusst. Rapper Lil Nas X, der vor «Old Town Road» noch völlig unbekannt war, meinte beispielsweise in einem Interview, er habe kein Problem damit, dass er trotz Millionen von Views kein Geld von der App erhalte, er müsse eigentlich umgekehrt sie bezahlen. Denn nur dank TikTok habe er die nötigen Streams für den Charthit eingefahren.

Dieses Bewusstsein für den Einfluss der App sorgt nicht nur dafür, dass immer mehr Künstler und Labels sie für Promo-Zwecke nutzen, statt auf klassische Werbekampagnen zu setzen. Vielmehr werden die Songs selbst nun schon so produziert, dass sie auf TikTok funktionieren. Nick Sylvester, ein Produzent von TikTok-Hits, betont etwa, dass es darum gehe, in den Songstrukturen Platz für Interaktion zu schaffen. 

Es geht darum, im Song selbst schon zum Mitmachen anzuregen. Zudem böten gerade Rapsongs einfache, rhythmische Strukturen, die zum Nachahmen und Wiederholen animierten. Zudem setze man auf Stilmittel wie etwa die Klänge des Drum-Synthesizers Roland TR-808, deren Sound auch auf Handy-Lautsprechern gut funktioniere.

Diese Vorgehensweise macht sich zwar für die Produzenten und Künstler nicht direkt auf Tiktok bezahlt – aber zumindest indirekt. Denn ihre Songs erhalten über die Leute, die zu ihnen auf Kurzvideos tanzen, ein Millionenpublikum – das dann die Tracks wiederum über die einschlägigen Plattformen streamt. 

Kein Wunder also, will der chinesische Konzern ByteDance, der hinter TikTok steht, auch in dieses Geschäft einsteigen. In Indonesien und Indien ist nun Resso, der neue Streamingdienst des Unternehmens, verfügbar. Auch dieser setzt auf das Prinzip der Interaktion: Songs können kommentiert und geteilt und von Usern mit Texten ergänzt werden. Ob die Plattform auch in Europa lanciert werden soll, ist derzeit noch unklar. Nach dem Erfolg von TikTok ist es nicht unrealistisch, dass hier ein ernstzunehmender Konkurrent von Spotify heranwächst.

Ob der Erfolgszug von Tiktok lange anhält ist unklar. Vor kurzem drohte US-Präsident Donald Trump damit, die App in den USA zu verbieten. Die Plattform sei ein Sicherheitsrisiko, so Trump, weil die chinesischen Behörden damit an Daten von US-Bürgern gelangen könnten. Nachdem sich US-Unternehmen und der ByteDance-Konzern auf einen Deal einigten, war das Verbot dann aber wieder vom Tisch. 

Die politischen Querelen haben aber TikTok-Konkurrenten wie Triller einigen Zulauf beschert. Über TikTok hinaus, da sind sich die Experten jedoch einig, dürfte das Format der kurzen, von Musik begleiteten Videos bestehen bleiben. Für die junge Generation, so die Überzeugung, sei dies inzwischen eine so gängige Form der Interaktion mit Content, dass diese nicht mehr wegzudenken sei.

 

Ein Smartphone an einem Selfiestick

Schon am Tiktoken?

TikTok zählt zu den erfolgreichsten Apps der Welt. Sie gehört einem chinesischen Jungunternehmen, dessen Marktwert derzeit höher als jener von Uber eingeschätzt wird.