Die Kehrseite der berühmtesten Goldmünze

Abbildung Krugerrand Goldmünze

Die Kehrseite der berühmtesten Goldmünze

«Die Krügerstrasse gibt es seit bald 100 Jahren, kaum einer weiss noch, wer Krüger war und was er vertrat. Krüger ist Geschichte und wenn seine <Heldentaten> aus heutiger Sicht alles andere als solche waren, so ist die Krügerstrasse zumindest als mahnendes Beispiel zu belassen.» Mit u.a. diesem Argument haben sich 2008 Bewohner des Lachen-Quartiers in St. Gallen gegen die Umbenennung der Krügerstrasse in Dürrenmattstrasse gewehrt.

Paul Kruger, bis dahin Namensstifter der Quartierstrasse, war von 1882 bis 1902 Präsident der Südafrikanischen Republik gewesen. Er war ein Nachfahre der Buren, die ab dem 17. Jahrhundert von den Niederlanden nach Südafrika einwanderten. Kruger glaubte, Schwarze und Inder seien unterlegene Rassen und auf der Welt, um den Weissen zu dienen.

Genützt hat der briefliche Appell der Quartierbewohner an den St. Galler Stadtrat nichts. Im Beisein eines offiziellen Vertreters der südafrikanischen Post-Apartheid-Regierung wurde die Umbenennung zeremoniell vollzogen. Für den Geist von Paul Kruger war das eine kleine Schmähung. In den Niederlanden ist in fast jeder Stadt eine Strasse nach ihm benannt.

Damit nicht genug: Sein Name und Antlitz prangen immer noch auf der prominentesten Goldmünze der Welt. 2017 wird der Kruger- oder eben Krügerrand 50 Jahre alt. Seit seiner Einführung im Jahre 1967 wurde die Münze rund 60 Millionen mal verkauft.

Weil der Krugerrand nicht nur ein Sammlerobjekt, sondern in Südafrika auch ein legales Zahlungsmittel ist, funktioniert er als steuerfreie Anlage. Neben Numismatikern (altgriechische Bezeichnung für Münzensammler) kaufen ihn deshalb auch Kleinanleger. Obendrein besteht die Wertigkeit der Münze in ihrem maximalen Goldgehalt und der hohen Prägungsqualität.

Im Gegensatz zum St. Galler Stadtrat scheinen sich weder die Anleger noch die südafrikanische Prägeanstalt über den symbolischen Wert der Münze Gedanken machen zu wollen. So gut ist das Geschäft für beide Seiten, dass man über die Vergangenheit lieber schweigt oder die rassistischen Überzeugungen von Kruger meint relativieren zu können, indem man sie als damals gängig abtut und ihn als grossen Natur- und Tierschützer rühmt. Kruger ist bis heute Namensgeber des grössten und von ihm gegründeten südafrikanischen Nationalparks...

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