Die Lohnschere am Hals

Bild einer Grafik, die die unterschiedlichen Einkommen in einer amerikanischen Grossstadt aufzeigt. Durch die Visualisierung sieht es aus, wie eine zerbombte Stadt von oben.

Die Lohnschere am Hals

Während seiner Zeit an der Kunsthochschule in Glasgow war The Atlas of Gentrification das Hauptprojekt des österreichischen Grafikers Herwig Scherabon. Das Buch beinhaltet grafische Umsetzungen von öffentlich zugänglichen Datenerhebungen diverser Städte. Die Inspiration zu seinem preisgekrönten Werk kam ihm beim Reisen durch Amerika.

Die Grafiken sind eine mögliche Antwort auf die Frage: Was ist Gentrifizierung? Kurz gesagt beschreibt Gentrifizierung den Prozess der Aufwertung ganzer grossstädtischer Viertel, um für zahlungskräftigere Bewohner attraktiver zu sein. Damit verbunden ist oft auch der Ausschluss beziehungsweise die Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen.  

Eine dieser Grafiken zeigt die Kartierung verschiedener Einkommensgruppen von Chicago (siehe Bild oben). Hohe Türme stehen für ein hohes Einkommen und tiefe Türme für ein geringes Einkommen. Beim Erforschen der Karte fällt sofort auf, dass die Mittelschicht kaum vertreten ist.

In einem Teil des Chicagoer Quartiers «Near West Side» ist das durchschnittliche Jahreseinkommen bei 104’000 Dollar. Knapp einen Kilometer weiter nur 20’000 Dollar. Zum Vergleich: In den USA ist das durchschnittliche Einkommen bei circa 56’000 US-Dollar, in der Schweiz sind es 62’000 US-Dollar.

Während in den 1970er-Jahren ungefähr die Hälfte aller Haushalte der Mittelschicht angehörten, waren es 2010 nur noch 16 Prozent. Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer – die abstrakte Lohnschere wird in Scherabons Grafiken unangenehm greifbar und zeigt, dass die Trends «Hautfarben» haben.

Im Süden von Chicago – wo die Menschen ärmer sind – gibt es Quartiere, deren Bevölkerung zu 99% afroamerikanisch ist, während sie in reichen Quartieren Chicagos hauptsächlich kaukasisch – also «weiss» – ist.

Mit der Darstellung dieses Zusammenhangs zeigt Scherabon auf, dass ethnische Herkunft noch immer mit sozialem Status in Verbindung steht – Stichwort Segregation. Er sagt: «Indem diese Probleme in meinem Atlas aufgezeigt werden, soll ein Bewusstsein dafür geschaffen und die öffentliche Diskussion weiter angeregt werden.».

Foto einer erhobenen Faust

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