Die Parmesan-Bank

Viele Laibe Parmesan im Lager

Die Parmesan-Bank

In einem Lager in Montecavolo di Quattro Castella, zwischen Parma und Modena, reifen 300.000 Laibe Parmesan – 160.000 weitere lagern eine Autostunde entfernt in einer Halle bei Castelfranco Emilia. Jeder 40 Kilogramm schwere Laib hat einen Schätzwert von über 400 Franken. 

Dieses Massenlager gehört nicht einem Hersteller der italienischen Spezialität – sondern einer Bank: Die Magazzini Generali delle Tagliate sind eine Tochtergesellschaft des Credito Emiliano (Credem). Seit 1953 akzeptiert das Finanzinstitut den Parmesan als Sicherheit für Kredite und nimmt ihn zudem gegen eine Gebühr Käsereien ab, die kein eigenes Magazin haben.

Wer seinen Parmesan dem Lager von Credem übergibt, erhält im Gegenzug einen Lagerschein, der jenseits einer blossen Quittung viel mehr ein Wertpapier darstellt – wie eine Aktie. Der Käse wird dann während 24 oder 36 Monaten gelagert und reift in dieser letzten Phase der Herstellung unter optimalen Bedingungen. 

Der Lagerschein, den die Hersteller bei Lieferung erhalten, kann in der Zwischenzeit als Zahlungsmittel verwendet werden – Käsereien können damit etwa Tierfutter- oder Milchlieferanten bezahlen und so allfällige Engpässe in der Liquidität überbrücken. 

Da der Parmesan-Preis in den letzten Jahren massiv eingebrochen ist, kommt diese Zweitwährung der Branche sehr entgegen. Nach abgeschlossener Reifung zahlt der Hersteller entweder den über die Lagerscheine erhaltenen Kredit zurück und bekommt dafür die Parmesan-Laibe – oder die Bank kann den Käse selbst verkaufen. Eine Win-Win-Situation.  

Das Modell ist sehr erfolgreich – und könnte Vorbildcharakter entfalten. Wie der griechische Finanzexperte Nikolaos Trichakis in seiner Studie zum Modell von Credem aufgezeigt hat, macht es für Banken Sinn, nicht nur vom Schreibtisch aus Bilanzen zu analyisieren, sondern die Details eines Geschäftsmodells praktisch zu erfahren. 

So sei es möglich, Kreditrisiken korrekt einzuschätzen und zu verringern. Denkt man an die Verwerfungen nach der grossen Finanzkrise von 2008 zurück, so wäre die Idee doch gerade im Käseland Schweiz vielleicht auch eine Überlegung wert? 

Portrait von Giacomo Corneo

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