Die unmögliche Dreiheit

Bild von einem Penrose Dreieck

Die unmögliche Dreiheit

Bitcoin, Ethereum, Ripple und andere Kryptowährungen sind ein Problem für Staaten, weil Geld in anonyme, kaum kontrollierbare Computer-Netzwerke abfliesst. Allerdings sind aktuell (Stand 26. März 2018) erst rund 330 Milliarden US-Dollar im Kryptomarkt investiert. Im Vergleich zu anderen Werten wie Geld, Immobilien, Aktien etc., die zusammengerechnet in die Quadrillionen gehen, ist das ein Tropfen im Ozean des Weltvermögens.     

Was die Regierungen und Zentralbanker dieser Welt fürchten, ist also viel mehr das gespenstische Potential von dezentral gehandelten Kryptos. Es tun sich virtuelle Währungsräume und Märkte auf, die sich ausserhalb der etablierten und regulierten Strukturen wie Landesgrenzen, Währungsunionen und Freihandelszonen entwickeln. Die Staaten sind in der Bredouille: technologischen Fortschritt walten lassen oder die Kontrollmacht behalten.

Dabei hat schon die Globalisierung, die nach dem Zweiten Weltkrieg definitiv einsetzte und seither progressiv an Tempo zunimmt, die einzelnen Staaten in eine geldpolitische Zwickmühle gebracht. Denn eine nationale Geldpolitik, ein fester Wechselkurs der eigenen Landeswährung und internationale Kapitalmobilität gehen nicht zusammen – man kann nur maximal zwei dieser Dinge haben.  

Bewiesen haben dieses Trilemma 1962 die Wirtschaftswissenschaftler Robert Mundell und Marcus Fleming. Nehmen wir ein konkretes Anschauungsbeispiel: Die Schweiz hat als Land, welches rege Import-/Exportgeschäfte mit der Welt treibt, ein Interesse an einem stabilen internationalen Handel. Idealerweise sind die Wechselkurse zwischen den Währungen dafür fest. Die Schweiz tut in dem Fall gut daran, den Franken fest an andere Währungen zu binden.

Eine weitere Grundvoraussetzung für einen florierenden Welthandel ist die Kapitalmobilität – zumindest nach wirtschaftsliberaler Sichtweise. Wenn die Anleger frei sind, ihr Geld dorthin zu verschieben, wo sie die vernünftigsten Renditen erwarten können, heizt das den Wettbewerb an. Solange die Schweiz wirtschaftlich kompetitiv und politisch sicher bleibt, profitiert sie von Kapitalzufluss aus anderen Ländern.

Ein fester Wechselkurs und die freie Kapitalmobilität lassen sich indes schwer mit einer nationalen Geldpolitik harmonisieren. Senkt die Schweizerische Nationalbank die Zinsen, um der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken – günstigeres Geld führt zu mehr Investitionen ergo mehr Arbeit –, destabilisiert sie den internationalen Handel und verschreckt ausländische Investoren, die andernorts, wo die Zinsen höher sind, bessere Renditen erhalten. Ein Trilemma eben.

Bild des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor dem Logo des Petro-Coin

Die erste staatliche Kryptowährung

Die venezolanische Währung ist praktisch wertlos. Also verkauft die Regierung seit Ende Februar Petro-Tokens – eine digitale Währung, die durch die Erdölvorkommen des Landes gedeckt sein soll.