Don’t do it yourself

Viele gestapelte Sammelmappen auf einem Pult

Don’t do it yourself

To outsource or not to outsource? Das ist hier die Frage. Der amerikanische Unternehmer und Autor Tim Ferriss’ lieferte 2007 mit seinem Ratgeber Die 4-Stunden-Woche, der während vier Jahren als The New York Times Best Seller gelistet war, eine vermeintliche Antwort. 

«Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben» versprach bereits der Untertitel des Buches, das in 40 Sprachen übersetzt wurde und weltweit über zwei Millionen Mal über den Ladentisch ging. 

Im rund 300-seitigen Buch empfiehlt Ferriss mitunter das Outsourcen von administrativen Arbeiten an sogenannte virtuelle Assistent*innen, womit man nicht nur Freizeit gewinne, sondern auch einen freien Kopf, der sich dann den wirklich wichtigen Aufgaben widmen kann. 

Dass die virtuellen Assistent*innen vor allem im globalen Süden sitzen und die Arbeit für verhältnissmässig kleines Geld erledigen, war Teil von Ferriss’ Schlachtplan – und brachte ihm einiges an Kritik ein. Ferriss wurde immer wieder als Hochstapler und sein Ratgeber als Humbug dargestellt.

Virtuelle Assistent*innen gibt es aber nicht nur in Schwellenländern, sondern auch im Westen. Don’t Panic Management ist ein Beispiel aus den Vereinigten Staaten, assistante.ch eines aus der Westschweiz. Diese Unternehmen bieten ebenfalls administrative Entlastung an – mit Preismodellen, die in beide Richtungen fair seien, wie die Unternehmen auf ihren Websites berichten. 

In absolute Zahlen übersetzt heisst das im Falle von Don’t Panic 15 bis 30 US Dollar pro Stunde für administrative Arbeiten, 40 bis 75 US Dollar für Marketingaufgaben oder Finanzangelegenheiten, die ebenfalls angeboten werden. 

Bei der Schweizer Konkurrenz kostet die Stunde je nach Kundenart und Aufgabe zwischen 75 und 120 Schweizer Franken. Unterschieden wird hier zwischen Privatpersonen, Freelancern, Startups und Corporates, wobei die Spannbreite an Dienstleistungen von administrativen Aufgaben über Grafikdesign und Social Media bis hin zu Finanz- und Personalwesen reicht.

Letzteres klingt tatsächlich nach einer angemessenen Entschädigung, auf der in der Schweiz ein Lebensunterhalt aufgebaut werden kann. Und so rückt die Entlastung durch virtuelle Sekretär*innen in ein neues Licht. Doch auch wenn man sich die abgenommene Arbeit genug kosten lässt, um kein schlechtes Gewissen haben zu müssen, bleiben einige Herausforderungen bestehen

Aufgaben über Chats, Video-Calls oder E-Mails zu erklären, ist kein Vergnügen – und bietet einiges an Potential für Missverständnisse. Auch die Begleitung der Arbeit ist ohne persönlichen Kontakt je nach Aufgabe keine leichte Sache. 

Zudem schickt man teils sensitive Daten quer durchs Internet an Personen, die man wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommt. Dass mit den Daten auf dem Weg oder nach Ankunft beim Virtual Assistant etwas Ungewolltes passiert, ist ein reales Risiko.

So bleibt hier die eingangs gestellte Frage – to outsource or not to outsource? – unbeantwortet. Und der pendente Papierkram bis auf weiteres auf der eigenen To-do-Liste.

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