Dreht der Wind im Rapgeschäft?

Die Bonner Rapperin Die P

Dreht der Wind im Rapgeschäft?

Kaum ein Musikstil hat in den vergangenen Jahren derart dominiert wie das Genre, das landläufig als «Trap» bezeichnet wird – die jüngste Inkarnation des seit vier Jahrzehnten mit globalem Erfolg beschenkten Hip-Hop. Die Stars dies- und jenseits des Atlantiks lassen trotz Krisen- und Katerstimmung in der Musikbranche weiterhin die Kassen kräftig klingeln – gerade in unseren Umlanden.

Laut dem Branchenverband der deutschen Musikindustrie legte das Genre zwischen 2010 und 2019 um beinahe 18 Prozent an Umsatzanteilen zu – und überflügelte im vergangenen Jahr Rock. Deutschrap scheint zudem massgeblich daran beteiligt zu sein, dass der Anteil nationaler Produktionen an den Top 100 Plätzen der Charts beinahe 74 Prozent ausmacht – im Vergleich zu nur 49 Prozent 2010.

Trap gilt dementsprechend mittlerweile als der Soundtrack einer ganzen Generation. Die Musik und ihre Stilmittel – Sparsamkeit und Leere, verfremdete Stimmen und Sounds und das zischende Schlagzeug – sind audiotechnisch und dramaturgisch ideal auf das Smartphone ausgerichtet. Die Songs sind kurz, Blockbuster-mässig in Szene gesetzt und lehnen sich geschmeidig an eingängigen Trends an, um im Musikstreaming-Wettbewerb zu bestehen.

Oft tut sich Hip-Hop jedoch noch immer schwer, sich vom Macho-Image und Sexismus zu lösen. Die männlichen Stars der Szene, so scheint es, ignorieren die #metoo-Debatte und andere progressive Anliegen; an homophoben und/oder gewaltverherrlichenden Texten fehlt es ebenfalls nicht. 

Die Musikindustrie als Gesamtes habe ein riesiges Sexismusproblem, meint dementsprechend Lina Burghausen, die ein neues Rap-Label gegründet hat, das ausschliesslich Frauen, Trans-Personen und nicht-binäre Künstlerinnen unter Vertrag nehmen will. 365XX heisst das Projekt, vor kurzem erschien dort die EP Tape der Bonner Rapperin Die P.

Ob das Label und die eher an die 90er-Jahre erinnernde Sound-Ästhetik der ersten Veröffentlichung Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Derweil stehen jedoch durchaus mehrere Trap-Künstler*innen ihren männlichen Kollegen in nichts nach. Shirin David, ihre Hamburger Kollegin Haiyti oder gerade die Schweizer Rapperin Loredana können viel mehr als nur Achtungserfolge präsentieren. 

Bei «King Lori», die auch in Sachen Kontroversen kräftig mithält mit den Gangsta-Rappern, scheint die Rechnung aufzugehen: Laut der deutschen Bild-Zeitung soll sie 2019 rund 400 Millionen Streams verzeichnet haben – was in Einnahmen übersetzt rund 1.4 Millionen Euro sind. 

Ob sie das zur feministischen Ikone macht, dürfte bezweifelt werden, aber wie meint sie selbst im Song «Kein Wort» mit Rapperin Juju: «Ich geh' einfach Gold, guck, mein Erfolg, kein Ende ist in Sicht…»

 

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