Drill Music: Ein hartes Geschäft

Foto der beiden Drill-MCs Skengdo und AM

Drill Music: Ein hartes Geschäft

Chicago gilt als Geburtsort des Drill: Eines Rap-Stils, der sich schon seit seinen Anfängen im Sound und Auftritt eng an der Gang-Kultur orientiert. Chief Keef, einer der frühen und bekanntesten Protagonisten, veröffentlichte 2011 im Alter von 15 Jahren zwei Mixtapes und kurz darauf sein Debütalbum «Finally Rich», das den Stil vom Untergrund in den Mainstream katapultierte. 

Hits wie «I Don’t Like», «3Hunna» oder «Love Sosa» erreichten ein riesiges Publikum und brachten ihm einen Sechs-Millionen-Vorschuss ein. Doch der Deal mit dem Label platzte und Chief Keef machte in der Folge vor allem wegen juristischen Problemen von sich reden. Noch immer ist Keef aber präsent – mit gewichtigen Features auf Alben von bekannten Trap-Künstlern und 6.3 Millionen Follower auf Instagram.

Obwohl sich Drill in den offiziellen Billboard-Charts abgesehen von wenigen Ausnahmen nicht lange hielt, eroberte sich der Stil vor allem online Millionen von Fans. Abseits von offiziellen Verkaufszahlen entwickelte sich das Genre prächtig. Allerdings hing das bereits von Beginn weg auch damit zusammen, dass viele Labels sich weigerten, Drill-Künstler unter Vertrag zu nehmen und viele Konzerte in den USA verboten wurden. 

Die Behörden sahen die teils gewaltverherrlichenden Texte als Ursache für zunehmende Gang-Aktivitäten. Nicht ganz von der Hand zu weisen sind diese Vorwürfe vor allem deswegen, weil viele Drill-Rapper tatsächlich in den letzten Jahren einen gewaltsamen Tod gestorben sind. 

Der MC FBG Duck, der diesen Sommer im wohlhabenden Chicagoer Viertel Gold Coast 26-jährig im Kugelhagel umkam, ist nur eines der jüngeren Beispiele. Viele spekulieren, sein im Juli auf YouTube veröffentlichter jüngster Song mit dem Titel «Dead Bitches», soll für seinen Tod mitverantwortlich gewesen sein.

Umstritten war das Genre in den vergangenen Jahren auch in England, wo ein eigener Drill-Ableger entstanden ist. Dort stand der Stil im Zentrum einer Debatte über einen massiven Anstieg von Messergewalt – rund 40'000 Attacken waren es allein im Jahr 2017. 

Viele der Opfer und ebenso grosse Anteile der Täterschaft waren Jugendliche. Das führte dazu, dass die Polizei über hundert Drill-Videos von YouTube löschen liess. Auch die britischen Behörden argumentierten, dass diese in Worten und Gesten zu Gewalt anstacheln würden und einen engen Bezug zu Gang-Aktivitäten hätten. Die Szene sah dies selbstredend anders.

2019 wurden zwei englische Drill-MCs – Skengdo und AM – zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, nachdem sie den Track «Attempted» in einem Londoner Club performten, obwohl dieser verboten war. Rapper Skengdo meinte gegenüber der englischen Zeitung The Guardian, dass dies Zensur sei. 

Die Behörden wollten dafür sorgen, dass der Song unter dem Radar bleibe. «Du arbeitest so hart und sagst allen, dass sie deinen Song hören sollen. Und dann nehmen sie in nach 10 Minuten schon wieder vom Netz. Ich verdiene damit aber meinen Lebensunterhalt und es bedeutet eine massive Einbusse für mich, wenn ein Song verboten wird.» 

In Chicago, dem Ursprungsort von Drill, hat man nicht primär die Musik im Blick – sondern vielmehr Social Media. Die Chicagoer Polizei macht schon seit längerem darauf aufmerksam, dass Streitereien auf Facebook immer wieder zu tödlicher Gewalt führten. Das klar zu beweisen, ist allerdings schwierig – und ein Verbot von Facebook steht nicht zur Debatte.

Die Bonner Rapperin Die P

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