Eine Münze, zwei Religionen

Vor- und Rückseite des «Fiscus Judaicus»

Eine Münze, zwei Religionen

63 Jahre vor Christus eroberte der römische Feldherr Pompeius verschiedene Gebiete, darunter auch Judäa. 66 nach Christus lehnten sich die Juden gegen die römische Fremdherrschaft auf und begannen den Jüdischen Krieg. Vier Jahre später entschieden die Römer den Kampf mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels für sich. 

Vor der Zerstörung entrichteten Juden eine Abgabe an den Jerusalemer Tempel. Nun hatten sie, so entschied der römische Kaiser Vespasian, eine jüdische Steuer an das Römische Reich zu zahlen. Der «Fiscus Judaicus» in der Höhe von zwei Denar wurde für den Wiederaufbau des Kapitolinischen Tempels in Rom verwendet.

Die Steuer wurde insbesondere von einem Nachfolger Vespasians, Kaiser Domitian, gnadenlos und mit entwürdigenden Methoden eingetrieben. Zudem hatten nicht mehr nur Männer zwischen 20 und 50 eine Abgabe zu entrichten, sondern auch Frauen, Kinder und Senior*innen. 

Mit der Ermordung des Kaisers Domitian 96 nach Christus kam Kaiser Nerva an die Macht, wenn auch nur für 16 Monate. Wie bereits seine Vorgänger liess Nerva eine Vielzahl Münzen prägen, die als Zeitzeugnis und auch als Abbild der gegenwärtig vertretenen Werte dienten.

Eine dieser Münzen trug die Inschrift «fisci Judaici calumnia sublata». Eine eindeutige Übersetzung gibt es nicht, doch der Konsens besagt, dass diese Inschrift mindestens für eine Reform der jüdischen Steuer stand. Nach welchen gemilderten Kriterien Nerva die Abgabe einzog, ist jedoch nicht sicher belegt.

Der Wissenschafter Marius Heemstra veröffentlichte 2010 wissenschaftliche Untersuchungen über die Veränderungen des «Fiscus Judaicus» unter Kaiser Nerva. Laut seiner Argumentation hat Nerva mit der veränderten Handhabe dazu beigetragen, dass sich Judentum und Christentum zu zwei getrennten Religionen entwickelten. 

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