Einfach so Geld bekommen?

Bild eines goldenen Kreises – Symbold für die Abstimmung über das Bedingungslose Grundeinkommen in der Schweiz

Einfach so Geld bekommen?

Alle Diskussionen über ein bedingungsloses Grundeinkommen – ein Konzept, bei dem jeder Bürger eines Landes monatlich einen Betrag X ohne Arbeits- beziehungsweise Gegenleistung ausbezahlt bekommt – haben eines gemein: Sie werden frei von Fakten geführt. Niemand kann belegen, welchen Effekt es auf eine Gesellschaft hätte, wäre das Grundeinkommen gesichert.

Die Befürworter führen ins Feld, dass weniger Existenzangst und dafür mehr Chancengleichheit, Eigenverantwortung und Unabhängigkeit in der Folge zu mehr Zufriedenheit, Sinn und Demokratie führen. Dagegen halten die Gegner den Menschen für zu faul und egoistisch, als dass er dann noch einen Beitrag an das Gemeinwohl leisten würde. Und wer sollte in einer solchen Welt noch sogenannt niedere Arbeiten verrichten?

Das US-amerikanische Startup-Unternehmen GiveDirectly will sich am Hypothesen-Schlagabtausch nicht beteiligen und stattdessen Tatsachen schaffen. Die vier Gründer, die sich an den Elite-Unis Harvard und MIT kennengelernt haben, wollen 6000 Menschen in Kenia während mindestens zehn Jahren ein bedingungsloses Grundeinkommen zukommen lassen.

Warum ausgerechnet Kenia? Das ostafrikanische Land ist ein Pionier in Sachen Mobile Money. Mit dem Service M-Pesa können innert Echtzeit elektronische Geldguthaben überwiesen werden – unkompliziert und bis in die hinterste Provinz. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist inzwischen an das System angeschlossen.

Nicht zuletzt sind die tiefen Lebenshaltungskosten in Kenia relevant. Das selbe Experiment wäre wegen der langen Zeitdauer von einem Jahrzehnt in einem Industrieland kaum finanzierbar. Es würde in dem Fall statt mit 30 Millionen mit einer Milliarde US-Dollar zu Buche schlagen.

Nun läuft das kenianische Grundeinkommen-Experiment seit 2016 und wird wissenschaftlich eng begleitet und der Impact von unabhängigen Forschungsinstituten minutiös kontrolliert. Die ersten Ergebnisse machen Mut: Der direkte Verdienst aus Arbeit und unternehmerischer Aktivität hat sich bei den Teilnehmenden spürbar gehoben und – entgegen der Parolen der Kritiker – haben die Ausgaben für Alkohol und Tabak nicht zugenommen.

Foto eines bunten Marktes in einer afrikanischen Stadt

Wiege des mobilen Geldes

Während mobiles Bezahlen hierzulande erst im Kommen ist, ist es in vielen Weltgegenden bereits Alltag. Nirgends wird mit Handys so selbstverständlich Geld bewegt wie in Afrika.