El Salvador wagt Bitcoin-Experiment

Protestierende in El Salvador

El Salvador wagt Bitcoin-Experiment

Nayib Bukele kürte den 07. September zum «Bitcoin Day»: Es war der Einführungstag des Bitcoin als offizielle Währung von El Salvador. Der Präsident des mittelamerikanischen Staates verkündete seine Pläne an einer amerikanischen Bitcoin-Konferenz im Juni und brachte die dafür notwendigen Gesetze im Eiltempo durch.

Die Kryptowährung soll überall, wo es technisch möglich ist, als Bezahlmittel eingesetzt werden können. Auch die Steuerrechnung können Salvadorianer:innen künftig in Bitcoin bezahlen. Das Zahlungsmittel existiert neben dem US-Dollar, er wurde 2001 als offizielle Landeswährung eingeführt. 

200 Bankomaten werden im Land implementiert, an denen die Bevölkerung Bitcoins in US-Dollar wechseln und auszahlen lassen kann. Die Bitcoin-Transaktionen selber laufen über ein digitales Wallet namens Chivo. Um die Einführung zu pushen, hat die Regierung allen Downloader:innen ein Bitcoin-Startkapital im Wert von 30 US-Dollar versprochen. El Salvador hat sich im Vorfeld der Einführung mit 550 Bitcoins eingedeckt. 

Präsident Bukele hofft, dass sein Bitcoin-Experiment Arbeitsplätze und Investitionen bringt. Zudem würden jährliche Übermittlungsgebühren in der Höhe von 400 Millionen US-Dollar gespart, denn vier bis sechs Milliarden US-Dollar pro Jahr kommen über Auslandsüberweisungen ins Land. Das entspricht etwa einem Fünftel des Bruttoinlandsproduktes. Es ist auch die Rede von finanzieller Inklusion: 70% der Salvadorianer:innen besitzen kein Bankkonto.

Während das Staatsoberhaupt in erster Linie Chancen sieht, gibt es auch zahlreiche kritische Stimmen. Bitcoin gilt als Spekulationsobjekt, der Kurs ist höchst volatil. Das ist insbesondere im Hinblick auf den Grossteil der Bevölkerung, der unter der Armutsgrenze lebt, gefährlich. Des Weiteren gibt es Bedenken, dass die Einführung illegale Transaktionen fördern könnte.

Zudem nutzt laut der Weltbank nur etwa ein Drittel der Bevölkerung El Salvadors Internet, in ländlichen Regionen gibt es teilweise nicht mal Strom. Eine Umfrage der Universidad Centroamericana im August zeigte zudem, dass etwa 70% ungenaue Vorstellungen von Bitcoin haben. Nur knapp fünf Prozent der 1300 Befragten bezeichneten Bitcoin korrekt als Kryptowährung.

Die Weltbank lehnte eine Unterstützung bei der Einführung ab. Man könne dies angesichts der Umwelt- und Transparenzmängel nicht unterstützen, hiess es seitens der Institution. Offen ist auch, ob El Salvador nach der Annahme des Bitcoin-Gesetzes noch auf Unterstützung des Internationalen Währungsfonds hoffen kann. Dort hat Bukele einen hängigen Kreditantrag in der Höhe von über einer Milliarde US-Dollar.

Bild von Bill Gates mit verschmitztem Lächeln

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