Singapur gehört ein Drittel von Stone Island

Bild von Drake mit einem weissen Pullover von Stone Island

Singapur gehört ein Drittel von Stone Island

Glaubt man Carlo Rivetti, Besitzer der Stone-Island-Mutterfirma Sportswear Company, verdanken wir die Existenz des italienischen Brands beinahe einem Zufall. Der Designer Massimo Osti – Gründer und Designer von Stone Island – erhielt Anfang der 80er-Jahre einen neuartigen Stoff, der ursprünglich für die Herstellung von LKW-Planen verwendet wurde. Er kreierte damit eine sieben Jacken umfassende Kollektion, die innerhalb von zehn Tagen überall ausverkauft war.

Stone Island setzte seit den Anfängen auf Funktions- und Outdoor-Kleidung, die gleichzeitig alltagstauglich war, und experimentierte mit aussergewöhnlichen Materialien. Um Ostis innovative Ideen überhaupt umzusetzen, mussten teilweise sogar erst entsprechende Industriemaschinen gefertigt werden. Legendenstatus hat unter anderem die «Ice Jacket» erreicht, welche je nach Temperatur die Farbe wechselt.

Anfang der 80er-Jahre entwickelte sich Stone Island zum elementaren Bestandteil zweier Subkulturen. Die italienischen Paninaro-Jugendlichen interessierten sich insbesondere für die amerikanische Kultur und deren Trends, setzten bei den Jacken allerdings unter anderem auf Stone Island. In England etablierte sich die Marke zuerst in einem negativ besetzten Umfeld und wurde zum Erkennungszeichen von Fussball-Hooligans respektive der sogenannten «Terrace Culture».

Seither bewegte sich sich Stone Island Schritt für Schritt aus dem Underground hin zum Mainstream und von Italien aus in die ganze Welt –  ohne dabei seine Ecken und Kanten einzubüssen. Besonders bei Rappern scheint der italienische Brand mit Kompass-Logo heute beliebt zu sein: Unter anderem Drake, Vince Staples und Travis Scott tragen Stone Island.

Nun sind solche namhaften Fans durchaus relevant fürs Marketing – 2016 konnten die Verkaufseinnahmen um 26% auf 109 Millionen Euro gesteigert werden –, aber offenbar will Rivetti weitere Märkte erschliessen und ist auf externe Geldmittel angewiesen. Erst kürzlich beteuerte der Unternehmer in einem Interview, er wolle kein reiner Geldjäger werden und auch künftig nur machen, was sich richtig anfühle. Offenbar fühlte es sich richtig an, 30% der Firma an einen Staatsfonds Singapurs zu veräussern.

Zur Erklärung: Ein Fonds investiert in verschiedene Geldanlagen, um das Risiko von Verlusten zu verringern. Wird im Auftrag eines Staates Kapital angelegt und verwaltet, spricht man von einem Staatsfonds. Das ist nichts Aussergewöhnliches, im Juni 2017 soll sich das Anlagevermögen aller Staatsfonds gemäss Sovereign Wealth Fund Institute auf stolze 7.4 Milliarden US-Dollar belaufen haben.

Nun hat also 2017 der Singapurer Staatsfonds Temasek einen Drittel von Stone Island übernommen. Wie viel Geld geflossen ist, blieb unter Verschluss. Stone Island will weiterhin wachsen und hofft auf die internationalen Beziehungen von Temasek. Es bleibt abzuwarten, ob der Brand seine Glaubwürdigkeit aufrecht erhalten kann, während er seinen internationalen Erfolg mithilfe fremder Investments ausbaut.