Der milliardenschwere Buhmann

Portrait von George Soros

Der milliardenschwere Buhmann

George Soros’ taucht nicht nur regelmässig auf Listen wie «Am besten verdienende Hedgefonds Manager 2018», «Milliardäre 2018» und «Forbes 400» (400 reichste Amerikanerinnen und Amerikaner gemäss Wirtschaftsmagazin Forbes) auf.

Der 87-Jährige beschäftigt ebenso Medien ausserhalb des Wirtschaftskuchens – weltweit und seit Jahrzehnten. Soros sorgt nicht in erster Linie mit seinem Vermögen – im März 2017 waren es über 23 Milliarden – für Schlagzeilen, sondern damit, was er mit dem Geld anstellt.

«Der Mann, der die Bank of England in den Bankrott getrieben hat» – so lautet die wohl berühmteste Beschreibung von George Soros. 1969 gründete Soros den Hedgefonds Quantum Funds, der bald mit aggressiver Investitionspolitik und hohen Renditen Bekanntheit erlangte.

1992 wettete der Soros-Hedgefond gegen das britische Pfund und verdiente an der Wette 1.5 Milliarden US-Dollar. Im gleichen Jahrzehnt brachte ein weiterer Spekulationsangriff, diesmal auf den thailändischen Baht, rund 750 Millionen US-Dollar ein.

George Soros wurde 1930 als György Schwartz in Budapest geboren. Seine jüdische Familie überlebte den zweiten Weltkrieg aufgrund einer Namensänderung beziehungsweise falscher Dokumente.

Später wanderte Soros nach England aus, wo er an der Wirtschaftshochschule studierte und unter anderem Vorlesungen von Karl Popper besuchte. Der Philosoph prägte Soros stark, auch sein Buch Die offene Gesellschaft und ihre Feinde war ein wichtiges Werk für den späteren Hedgefondsmanager.

1956 zog Soros nach New York und ergatterte sich einen Job an der Wall Street. Der Plan war, 100’000 US-Dollar innerhalb von fünf Jahren zu sparen, um danach aus dem Finanz-Business auszusteigen und sich der Philanthropie zu widmen.

Ersteres hat Soros nur bedingt getan, Quantum Funds existiert nach wie vor, wenn auch der 87-Jährige nicht mehr aktiv mitmischt. Zweiteres verwirklicht Soros in einer neuen Art und Weise, die New York Times nennt sie Philanthrokapitalismus.

1984 gründete die «Investorenlegende» die Open Society Foundations. Eine Stiftung, in der mittlerweile 32 Milliarden US-Dollar von Soros’ privatem Vermögen stecken und die seit der Gründung 14.9 Milliarden US-Dollar in verschiedene internationale Projekte investiert hat. Die Mehrheit davon im Sektor «Demokratische Praxis und Menschenrechte», wie der Stiftungswebseite zu entnehmen ist.

Soros wollte die Open Society Foundations 2010 schliessen, hat sich aber aufgrund seiner finanziellen Situierung dagegen entschieden. Er habe mehr Geld, als er in seinem Leben noch sinnvoll einsetzen könne. Auch aufgrund der gegenwärtigen weltpolitischen Lage will Soros weiterhin aktiv bleiben.

Soros’ Stiftung oder vielmehr George Soros selber sieht sich aufgrund seines Engagements verschiedensten Vorwürfen ausgesetzt. Die finanziellen Zuwendungen im Sinne seiner liberalen Philosophie sorgen besonders in konservativen und rechts-orientierten Kreisen für rote Köpfe.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán etwa behauptete mitunter, Soros’ Aktivitäten zielen darauf ab, muslimische Migranten nach Ungarn zu bringen. Orbán warb während des letzten Wahlkampfes mit Anti-Soros-Plakaten und inszenierte den emigrierten Ungarn als lachenden Teufel. Darauf zu lesen: «Lass’ Soros nicht zuletzt lachen.» Die Open Society Foundations hat ihren Hauptsitz mittlerweile von Ungarn nach Berlin verlegt.

Auch aus Russland musste sich Soros’ Stiftung zurückziehen. Die russische Regierung stuft die Open Society Foundations als Gefahr für das Land ein. In Mazedonien, wo sich die Gruppe «Stop Operation Soros» formiert hat, zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die Vorwürfe sind oftmals antisemitisch gefärbt. Manche gehen gar soweit, Soros als Nazi zu bezeichnen. Der Mann im Mittelpunkt des Geschehens nimmt es relativ gelassen. George Soros sagte in einem Interview, er sei stolz auf seine Feinde, offenbar mache er etwas richtig.