Moderne Sklavenarbeit?

Satellitenfoto des Waldbrandes in Kalifornien

Moderne Sklavenarbeit?

Rund 3’900 Gefängnisinsassen kämpften an der Seite der Feuerwehr gegen das Feuer in Kalifornien. Obwohl sie dabei ebenfalls ihr Leben riskieren, verdienen sie pro Tag, an dem sie aktiv das Feuer bekämpfen, nur 1.45 US-Dollar. Das ist nur ein Bruchteil des Mindestlohns – der mit elf US-Dollar in der Stunde auch nicht gerade hoch ist.

Gefangenenarbeit hat in den USA eine lange Tradition. Der Staat Kalifornien ist sogar so fest auf diese Art von Arbeit angewiesen, dass das Bundesgericht Gesetzesänderungen durchsetzen musste: Sogenannte Mindestsicherheitsgefangene können durch solche Arbeit ihre Strafe verkürzen. Der Staat selber war nicht sehr glücklich über dieses Urteil, aus Angst ihnen könnten sonst die Leute zum Feuerlöschen fehlen.

Es ist zwar so, dass sich die Gefangenen freiwillig zum Löschdienst melden, aber sie besitzen  als Insassen so wenig Rechte, dass sie leicht zu überzeugen und auszubeuten seien. Letztes Jahr sind zwei Gefängnisarbeiter ums Leben gekommen. Dazu kommt die Gefahr Krebs, Lungen- und andere Krankheiten zu entwickeln. So billige Arbeitskräfte für so einen Job, sind also sonst nicht zu finden – 100 Millionen US-Dollar können so pro Jahr gespart werden.

Die Grenze zur Sklavenarbeit ist also nicht mehr weit. Die Gefangenen haben keine rechtlichen Mittel, um sich selber zu wehren, wie dies normale Arbeitende haben. Das heisst: Es gibt keine Gewerkschaften, keinen Mindestlohn, keine Versicherungen bei Tod, Verletzungen oder Krankheiten und ihr Handlungsspielraum, um vor Gericht zu ziehen, ist ebenfalls erheblich eingeschränkt.

Wenn die Gefahren so zahlreich und die Versicherungen und Konditionen so schlecht sind, wieso sollte man sich überhaupt für so eine Arbeit melden? Der monotone Alltag im Gefängnis kann schnell erdrückend sein. Dazu können Gefangene Ausbildungen absolvieren, etwas Geld verdienen und dabei vielleicht sogar etwas lernen, das für ihre Reintegration in die Gesellschaft hilfreich sein kann. Nicht zu vergessen: Der Moment von relativer Freiheit und einer sinnvollen Arbeit.