Leder aus dem Labor

Mikroskopaufnahme eines Pilzgeflechts

Leder aus dem Labor

In Laboren wird derzeit nicht nur an der Herstellung von künstlichem Fleisch gearbeitet. Auch die Biofabrikation von Ledermaterialien soll dazu beitragen, die Umweltbilanz von Konsumgütern zu verbessern. Die intensive Tierhaltung und Zucht, die durch Sojafuttermittel und Methanemissionen den Klimawandel vorantreibt und zudem den Tieren Leid und Entbehrungen zufügt, soll mit künstlich erzeugtem Leder wegfallen. 

Pilzkulturen erweisen sich dabei als besonders vielversprechend für neue und nachhaltigere Methoden zur Herstellung von Leder. Die bisher in der Lederproduktion verwendeten Chemikalien zur Gerbung und der immense Verschleiss von Wasser und Tierfutter fallen beim so genannten «Myzel-Leder» weg. Grado Zero Espace, eine italienische Forschungs- und Designplattform, hat mit diesem Material bereits Schuhe, Armbänder und Handtaschen auf den Markt gebracht.  

Auch das US-amerikanische Unternehmen Modern Meadow beteiligt sich an der Forschung Entwicklung von neuem Leder. An der Schnittstelle von Design, Biologie und Naturwissenschaften arbeitet das Team um Gründer und CEO Andras Forgacs seit 2011 an neuen Materialien, die Flora und Fauna entlasten sollen. Zoa, ein auf Hefezellen basierendes Produkt der Firma, soll besser, fairer und flexibler sein als Leder und demnächst auf den Markt kommen. 

Die technologischen Fortschritte und die durch den Klimawandel immer grössere Dringlichkeit von umweltschonenderen Produktionsmethoden führt auch bei traditionelleren Modeunternehmen zu einem Umdenken. Soll will Gucci CEO Marco Bizzari den italienischen Giganten künftig stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten. Gerade die Lederherstellung im Labor sieht er dabei als Chance, den ökologischen Fussabdruck zu verringern und einen Paradigmenwechsel in der Produktion von Bekleidung einzuleiten. Gucci investiert entsprechend auch in Startups, die diese Technologien voranbringen.

Solche Anfragen erhält dann zum Beispiel Mycoworks, die Firma des kalifornischen Künstlers und Forschers Phil Ross. Er setzt sich seit den 1980er Jahren mit Pilzen auseinander und entwickelt mit seinen Mitarbeiterinnen nicht nur Myzel-Leder, sondern auch auf dem selben Ausgangsmaterial basierende Möbel und Ziegelsteine. Er meint: «Meine Hoffnung ist, dass über meine Firma und mich selbst hinaus solche Methoden zum Standard werden, wie die Menschheit künftig für sich selbst sorgt.»