Once Upon a Time in Nollywood

Ein nigerianisches Filmteam beim Dreh

Once Upon a Time in Nollywood

Nollywood, die nigerianische Film- und Fernsehindustrie ist in Bezug auf die Zahl der Produktionen die Nummer zwei auf der Welt hinter Indiens Bollywood. Seit den 1990er Jahren hat sich die Branche rasant entwickelt – der Unterhaltungssektor steuert mittlerweile 2,3 Prozent zum Bruttoinlandprodukt der bevölkerungsreichsten Volkswirtschaft Afrikas bei; insgesamt knapp 700 Millionen Dollar. 

Das durchschnittliche Produktionsbudget ist jedoch tief – es liegt zwischen 15'000 und 75'000 Dollar. Viele der Filme sind darauf angelegt, schnell abgedreht werden zu können und einen ebenso schnellen Profit einzubringen. Allerdings zeigen Produktionen wie der für einen Oscar nominierte, dann aber aufgrund des hohen Anteils an englischer Sprache abgelehnte Film Lionheart von 2018, dass Nigeria zunehmend auch Werke zu produzieren vermag, die international mithalten können.

Jenseits des afrikanischen Publikums sorgten die Filme aus Nigeria bisher allerdings kaum für Aufsehen. Nun scheint sich das aber zu ändern. Im Juli gab der französische Fernsehsender Canal-Plus die Übernahme des führenden Filmstudios in Nigeria bekannt. Die ROK Studios produzieren unter anderem die Fernsehshow Husbands of Lagos – sowie vierundzwanzig weitere Serien und um die 540 Filme. 

Eine unglaubliche Menge an Produktionen für ein Start-Up, das von der  34-jährigen Mary Njoku geführt wird. Mehr und mehr Filme aus Nigeria halten auch Einzug auf Streaming-Plattformen wie Netflix oder Amazon Prime. Das ist eigentlich ein Grund zur Freude – aber die Produktionen werden bezüglich ihrer Qualität auch kritisiert. Unlängst etwa vom nigerianischen Schauspieler Bobby Obodo, der über den Kurznachrichtendienst Twitter meinte: «Die meisten unserer Filme auf Netflix sind kaum anzusehen. Wir haben so eine Chance, #Nollywood der ganzen Welt zu zeigen, und wir vermasseln es!»

Dieser Kritik zum Trotz nimmt das Interesse an der nigerianischen Filmbranche weiter zu. So steigt nun auch in China ins Geschäft ein: Laut Medienberichten investiert die chinesische Gruppe Huahua Media in Nigerias Filmbranche. Nachdem das Unternehmen bereits amerikanische Blockbuster wie Transformers, The Last Knight oder Star Trek Beyond mitfinanzierte, koproduziert es nun die nigerianische Komödie 30 Days in China. 

Bedenken bezüglich der Zensur chinesischer Behörden sind derzeit auf Seiten der Produzenten anscheinend noch eher gering – nigerianische Filmemacher reiben sich vor allem angesichts des kommerziellen Potentials die Hände. Moses Babatope von der nigerianischen Produktionsfirma FilmOne Entertainment meinte gegenüber CNN: «Ein lukrativer Chinesischer Markt wird auf uns aufmerksam. Wir überspringen damit mehrere Hürden aufs Mal und erhalten Zugang zu einem existierenden und ausgereiften Markt.»