Profit aus Verurteilungen schlagen

Zwei Hände halten sich an einem Maschendrahtzaun

Profit aus Verurteilungen schlagen

In der Schweiz sassen letztes Jahr knapp 7000 Personen im Gefängnis. Auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner gerechnet, folgen also 82 Insassen. Anders sieht die Lage in Amerika aus. Hier liegt die Gefangenenrate bei 655 pro 100’000 Einwohner. Damit belegen die USA im weltweiten Vergleich den ersten Platz.

In Amerika wie auch in der Schweiz sieht das Gesetz vor, dass Gefängnisinsassen einer Arbeit nachgehen. Dahinter steckt unter anderem der Gedanke der Rehabilitierung, um den späteren Wiedereinstieg in gesellschaftliche Strukturen zu erleichtern.

Anders als in der Schweiz gibt es in den Staaten auch teilprivatisierte oder gänzlich privatisierte Justizvollzugsanstalten. Die erste solche wurde 1984 in Houston eröffnet, mittlerweile sind es über 100. Bei solchen Gefängnissen spielt also der Profit eine wichtige Rolle, was die gesetzliche Arbeitspflicht entsprechend brisant macht. 

Amerikanische Gefängnisinsassen arbeiten nicht unter regulären Anstellungsbedingungen, unabhängig davon, ob eine Strafanstalt privatisiert oder staatlich organisiert ist. Das betrifft auch den Lohn. Normalerweise arbeiten die Häftlinge für unter einen Dollar die Stunde. Für dieses Geld werden industrielle, aber auch administrative Tätigkeiten verrichtet.

CoreCivic und The Geo Group, zwei der grössten US-Player im privaten Gefängnisbusiness, verdienten 2014 je über 1.5 Milliarden US-Dollar mit ihren Betrieben. Ihr Hauptkapital ist die Arbeitskraft der Insassen, entsprechend pflegen solche Institutionen enge Kontakte zu politischen Kreisen, um das Geschäft am Laufen zu halten. Zwischen 2010 und 2015 sollen CoreCivic und die Geo Group total 8.7 Millionen Dollar fürs Lobbying ausgegeben haben.

Auch staatliche Justizvollzugsanstalten generieren aus der Arbeit der Insassen Umsatz. Vor 2011 war es diesen Institutionen allerdings nur erlaubt, ihre Dienstleistungen und Produkte an Bundesbehörden zu verkaufen. Mittlerweile dürfen sie auch an private Unternehmen vertrieben werden.