Sind Privatschulen das neue Normal?

Dr. Dre an einem Konzert

Sind Privatschulen das neue Normal?

«Ich möchte das innerstädtische Kind, mein jüngeres Ich erreichen. Diese Schule soll ein Ort sein, wo Kids etwas lernen, das sie wirklich interessiert», konstatierte der US-Rapper Dr. Dre vor den Medien. Dr. Dre liegt das Bildungsthema seit einigen Jahren am Herzen. «Unsere Schule ist etwas Neues und Anderes, das die Kinder begeistern und dazu bringen könnte, Spass am Lernen zu haben», so Dre. Und in Virginia eröffnet Pharrell Williams eine Privatschule für einkommensschwache Familien. Klingt eigentlich ganz gut, oder?

Die Situation unseres Bildungssystems ist mit den USA zwar nicht vergleichbar. Auch gibts (noch) keine berühmten Künstler und Künstlerinnen, die private Schulen eröffnen, welche trotz fehlenden Subventionen und Staatsbeiträgen für alle Kinder zugänglich sind. Aber die Zahl der Privatschulen wächst auch in der Schweiz, in gewissen Kantonen haben sich die Neueröffnungen in den letzten Jahren verdoppelt. 

Dahinter stecken so viele unterschiedliche Gründe, wie es Angebote gibt. Ob die Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Schulsystem, über- oder unterforderte Kids, eine internationale Ausrichtung oder die Hoffnung auf eine erfolgreiche Karriere – die Angebotspalette reicht vom alternativ-musischen Unterricht bis hin zum high-end Spitzen-Internat. 

Das kostet: Pro Monat blättern Eltern je nach Institution, Bildungsstufe und Angebot ein Schulgeld von 1000 bis 4000 Franken oder in einigen Fällen noch mehr hin. Manche Privatschulen sind etwas günstiger aufgrund eines staatlichen Finanzausgleichs oder privaten Spenden im Hintergrund.

«In der Schweiz ist es nicht üblich, wirtschaftliche Denkweisen und Ideen mit Bildung zu verbinden. Es gilt manchmal sogar fast etwas als unanständig. Für mich ist dies täglich Brot», so Gerhard Pfister, CVP Nationalrat und Gründer von mehreren Privatschulen im Kanton Zug. 

Demgegenüber steht das Beispiel einer Rudolf Steiner Schule im Kanton Bern: Damit die Institution selber und 85 Vollzeitstellen finanziert werden können, müssen jedes Jahr rund 7,5 Millionen Franken zusammenkommen. Das ist nur möglich dank einer engagierten Schulgemeinschaft: Die Eltern leisten, gemeinsam mit den bescheiden entlöhnten Mitarbeitenden, viel Freiwilligenarbeit.

Schweizer Privatschulen sind zu 81% in Gemeinden mit hoher Bevölkerungsdichte zu finden, vorwiegend in Regionen mit einer hohen wirtschaftlichen Bedeutung und international tätigen Unternehmen. Diese Unternehmen bezahlen gar einen Teil des Schulgelds für die Kinder ihrer Mitarbeitenden. Was wiederum den Wettbewerb unter den Institutionen anheizt. 

Diese Entwicklung bedeutet auch, dass Privatschulen gegenüber ihren staatlichen Mitbewerbern innovativer und agiler sind. Die Herausforderungen der heutigen Zeit sind aber für öffentliche wie private Institutionen die gleichen: Schulen müssen Kinder und Jugendliche auf ihre Zukunft vorbereiten, damit sie ihr Leben selber bewältigen können. Oder wie Dr. Dre sagt: Schule soll ein Ort sein, wo Kids etwas lernen, das sie wirklich interessiert.