Die Stadt der Zukunft

Illustration der Stadt der Zukunft

Die Stadt der Zukunft

Zu Fuss zur Arbeit, in die Schule, in den Supermarkt, zum Arzt, in ein Naherholungsgebiet, ins Kino, zum Konzert, auf den Sportplatz. Und das innert 15 Minuten. Unmöglich? Gar nicht! Politische Entscheidungsträger*innen an verschiedenen Orten der Welt arbeiten an der sogenannten «15-Minuten-Stadt». Alle Orte, die man täglich aufsuchen muss, so plädieren die Befürworter*innen des Konzepts, sollen in Gehdistanz erreichbar sein. 

Carlos Moreno, ein Professor der Pariser Sorbonne, ist davon überzeugt, dass nicht nur Bewohner*innen einer Stadt von kurzen Wegen profitieren, sondern etwa auch Geschäfte – und die Umwelt. Es würden ganz neue, engere Beziehungen zum lokalen Gewerbe entstehen, wenn sich Menschen öfter in den Quartieren aufhalten würden. Zudem bedeuten kleinere Bewegungsradien weniger Verkehr und damit weniger CO2-Ausstoss. Nicht zuletzt die Erfahrungen während der Corona-Pandemie lassen darauf schliessen, dass Moreno mit seinen Ideen nicht ganz falsch liegen dürfte.

Überzeugen konnte der Prof bereits die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Stadtentwicklung war eines ihrer Hauptanliegen im Wahlkampf, der zu ihrer Wiederwahl führte. Die Bürgermeisterin versprach, Paris so zu entwickeln, dass die Gemeinden in den Arrondissements möglichst unabhängig funktionierten. Unter dem Titel «ville de quart d'heure» sollen die Pariser Stadtteile effizienter gestaltet werden. 

Konkret plant Hidalgo Fussgänger*innenzonen und Fahrradweg weiter ausbauen, 60 000 (!) Autoparkplätze umzunutzen, Bäume im grossen Stil zu pflanzen, eine 5000 Menschen umfassende, unbewaffnete Polizeitruppe zu lancieren und hohe Bussen für grobes Verhalten zu sprechen – etwa für Littering.

Auch in Zürich wird mit innovativen Ideen an der Stadt gefeilt. Und zwar wird da bottom up entschieden, in welche Richtung sich die Stadt entwickeln soll. Die Stadtentwicklung Zürich testet in diesem Sommer ein stadtweites partizipatives Budget – und stellt dafür mehr als eine halbe Million Franken zur Verfügung. Wie das Geld verteilt wird, bestimmen die Zürcher*innen selbst.

Die Ideen aus der Bevölkerung müssen lediglich im Quartier umgesetzt werden, gemeinnütziger Natur sein und einen Bezug zu den Themen Klima und Umwelt oder Kinder und Jugendliche haben. Die einzelnen Projekte dürfen zudem nicht mehr als 9999 Franken kosten. Die Quartierstrasse mit Wildblumen bepflanzen? Ein neuer Pingpongtisch vor der Tür? Einen Parkplatz mit einem Biotop ersetzen? Den Spielplatz ums Eck aufmöbeln? Alles kein Problem!

Innovative Ideen wie diese dürften nicht nur die Herzen von experimentierfreudigen Stadtplaner*innen höher schlagen lassen. Indem die Menschen, die in den Städten leben, in den Fokus der Überlegungen gestellt werden, dürften nämlich vor allem auch die Stadtbewohner*innen selbst von den Neuerungen profitieren.

 

Bild: Paris En Common