Schweizer Windenergie im Aufwind?

Windräder

Schweizer Windenergie im Aufwind?

Erneuerbar, kostengünstig, emissionsfrei und platzeffizient. Windenergie hat eine Reihe von Vorteilen. Doch wie steht es um die erneuerbare Energie in der Schweiz? Ende letzten Jahres waren 42 Windenergieanlagen in Betrieb. Damit wurden 146 Mio. Kilowattstunden produziert, was rund 14% über den Erwartungen lag.

Good news? Von wegen! Der Anteil des gesamten Stromverbrauchs hierzulande ist verschwindend klein. Gerade mal 0,2% machte 2020 Wind im Energiemix aus. Als Vergleich: In Europa wurden im selben Zeitraum 16% des Strombedarfs mit Windenergie gedeckt. In Dänemark kommt gar knapp die Hälfte des Energiebedarfs aus Windparks. Zahlen, bei denen Befürworter*innen, zu denen etwa die gemeinnützige Stiftung WWF Schweiz zählen, feuchte Augen bekommen.

Gemäss der Energiestrategie 2050 des Bundesamts für Energie sollen dereinst bescheidene 7% des Energieverbrauchs mit Wind gedeckt werden. Dafür bräuchte es Grossprojekte, wie jenes, das im Oktober 2020 auf dem Gotthardpass eingeweiht wurde: Fünf Windräder, je knapp 100 Meter hoch, mit Rotorblättern, die je 11 Meter messen.

In den Bau wurden 32 Millionen Franken investiert. Die Kosten aber sind nicht das Problem –sondern der Wiederstand aus der Bevölkerung. In Anbetracht dessen, dass die Realisierung der Anlage ganze 18 Jahre (!) dauerte, überrascht es wenig, dass sie die einzige ihrer Art ist, die in den vergangenen vier Jahren ans Netz ging.

Warum es auf dem Gotthard so lange dauerte? Der Tessiner Heimatschutz leistete Wiederstand. Immensen Wiederstand. Der Verein ging bis vor Verwaltungsgericht, musste da aber Kleinbein geben. Das Gericht hiess den Bau der Anlage gut und ein Gang vor Bundesgericht wäre zu teuer geworden

Gegner*innen wie der Tessiner Heimatschutz gibt es vielerorts. Etwa im bernjurassischen Sonvilier, im Val de Travers im Kanton Neuenburg, in Appenzell Innerrhoden oder in Glarus. Überall da gibt es Initiativen, die sich aufbäumen gegen Windpark. Oft aus ästhetischen Gründen: Sie empfinden die Anlagen als Schändung des Landschaftsbildes.

Es sind aber nicht nur Vorbehalte dieser Art, die im Raum stehen. Auch Lärmemissionen in der unmittelbaren Nähe und die Gefährdung von Vögeln oder Fledermäusen werden als Argumente ins Feld geführt. Entsprechend zeichnen sich die Gegner*innen als sehr heterogen aus. Und so scheint gar eine Lobby, die auf dubiose Weise finanziert wird, nur wenig Wirkung entfalten zu können…