Prämienstreit im Klimawandel

Überschwemmung - Autos unter Wasser

Prämienstreit im Klimawandel

Rund 650 Millionen Franken Schaden – das war die (vorläufige) Kostenbilanz der kantonalen Gebäudeversicherungen nach den Unwettern im diesjährigen Sommer. Es kann gut sein, dass diese Schadenssumme noch weiter steigt, ist doch die Gewitter- und Hagelsaison noch nicht vorbei. Und sie wäre wohl noch um einiges höher, wenn nicht viele Gemeinden und Private in den letzten Jahren vermehrt investiert hätten, um den Naturereignissen vorzubeugen.

Sie tun dies aus gutem Grund – denn die Klimakrise erhöht die Umweltrisiken. Die Wahrscheinlichkeit, dass Wetterereignisse massive materielle Schäden verursachen, steigt. Das gilt auch für die Schweiz: Experten gehen davon aus, dass hierzulande gleichzeitig die Hitzetage wie auch die Starkniederschläge zunehmen.

Und auch der Bericht des National Centre for Climate Services zu den Klimaszenarien im Jahr 2060 zeigt für die Schweiz grosse Veränderungen auf. Expert*innen erwarten auch hier, dass sowohl Hitzetage wie auch Starkniederschläge stetig zunehmen. Die Überschwemmungen der letzten Jahre in der Zentralschweiz, der Romandie und im Tessin liefern darauf bereits einen Vorgeschmack.

Diese düsteren Prognosen sorgen dafür, dass die grossen Versicherungen bereits jetzt durchblicken lassen, dass die Prämien wohl steigen dürften. In gewissen Weltregionen dürften die Preise für Gebäudeversicherungen aufgrund der durch den Klimawandel hervorgerufenen Risiken derart exorbitant sein, dass sich kaum noch Bauten realisieren lassen.

Für Europa rechnet die EU mit jährlichen Schäden von 170 Milliarden Euro, sollte die globale Durchschnittstemperatur um drei Grad ansteigen. Diese Zahl steht in einem bereits im Februar veröffentlichten Strategiepapier der Staatengemeinschaft. Es weist ebenfalls darauf hin, dass gegenwärtig nur 35 Prozent der durch den Klimawandel verursachten wirtschaftlichen Schäden versichert sind – in süd- und osteuropäischen Ländern liegt der Anteil sogar im einstelligen Bereich.

Diese Lücke will die EU schliessen. Ihre Forderung: Speziell auf den Klimawandel zugeschnittene Versicherungspolicen – und tiefere Prämien. Im Juni haben die EU-Mitgliedstaaten die Kommission beauftragt, einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen zu entwickeln. Man ahnt: Die Diskussionen dürften zäh werden.