Was kostet eigentlich ein Streik?

Streikende auf der Strasse

Was kostet eigentlich ein Streik?

3.2 Prozent mehr Lohn und eine Corona-Prämie in der Höhe von 600 Euro – das sind zwei der Forderungen der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer GDL gegenüber der Deutschen Bahn DB. Um Druck aufzubauen, kam es im August zu zwei Streiks. 8500 Arbeitnehmer*innen legten während mehrerer Tage ihre Arbeit nieder.

Die Streiks führten zu erheblichen Einschränkungen im Güter- und Personenverkehr. Die Deutsche Bahn versuchte ein «verlässliches Grundangebot» aufrecht zu erhalten, etwa 30% der Züge waren unterwegs. Normalerweise befördert die DB 4.6 Millionen Passagiere im Nah- und Fernverkehr – pro Tag.

Je länger ein Streik – insbesondere im Güterverkehr – dauert, desto teurer wird das Ereignis. Denn je länger keine Züge fahren, desto mehr Unterbrüche gibt es in Produktions- und Lieferketten. Laut einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte sich der Schaden eines längerfristigen Streiks für Unternehmen auf bis zu 100 Millionen Euro täglich belaufen. 

Was sich in Deutschland ereignete, ist keine Besonderheit. Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF kennt Streiks zum Beispiel ebenfalls. Als 2018 während drei Monaten immer wieder gestreikt wurde, schätzte der damalige Konzernchef Guillaume Pepy die Kosten auf 300 Millionen Euro

In Amerika sorgte vor zwei Jahren ein Streik für Aufsehen. Bei General Motors streikten 50’000 Arbeitnehmer*innen während ganzen 40 Tagen. 31 Fabriken lagen still. Das kostete den Automobilkonzern 2.6 Milliarden US-Dollar.

In der Schweiz sind Streiks mit dem Ziel, bessere Arbeitsbedingungen zu verhandeln, eher selten. Laut einer Studie des Düsseldorfers Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts beliefen sich die Anzahl «arbeitskampfbedingt ausgefallener Arbeitstage» zwischen 2010 und 2019 pro 1000 Beschäftiger und Jahr auf zwei. Zum Vergleich: In Frankreich auf 110, in Dänemark auf 44 und in Polen auf 16.