Skurrile Auktionen: Was kostet Napoleons Hut? 

Der Hut von Napoleon

Skurrile Auktionen: Was kostet Napoleons Hut? 

Feldherr, Revolutionär, Reformer, Diktator: Wie kaum eine andere Figur hat Napoleon Bonaparte die europäische Geschichte weit über Frankreich hinaus und bis in die Gegenwart hinein geprägt. Das Vermächtnis des Generals beschränkt sich anscheinend jedoch nicht nur auf seine militärischen und politischen Erfolge. Sammler*innen reissen sich nämlich auch um Objekte, die dem legendären Kaiser der Franzosen zugeordnet werden. Ein besonderes Exemplar soll nun Ende Oktober in London versteigert werden: Die Bicorne – der ikonische Hut mit zwei Ecken – von Napoleon. Der bisherige Besitzer, ein Sammler aus Südkorea will das Teil wieder loswerden, das er 2014 für stolze 2.2 Millionen erstanden hat. Der Clou der Sache: In einer aufwendigen DNA-Untersuchung wurden zwei Haare am Hut eindeutig Napoleon zugeordnet, was dessen Authentizität garantiert.

Selbstverständlich hatte ein Mann mit Bonaparte’s Profil jedoch nicht nur einen Hut – sondern unzählige davon. Für Sammler*innen interessant ist das Objekt allerdings, weil es ursprünglich in einem deutschen Auktionshaus aufgetaucht ist. Das lässt Expert*innen schliessen, dass Napoleon diesen spezifischen Hut auf seinem Russlandfeldzug getragen haben muss, weil er da deutsche Offiziere an seiner Seite hatte, aus deren Reihen jemand den Hut vielleicht bekommen hat. Diese Umstände dürften dafür sorgen, dass der südkoreanische Eigentümer sicherlich einen guten Preis erzielen wird. Denn obwohl das Kunstauktionshaus Bonhams, das die Auktion verantwortet und den Hut derzeit in seinen Showrooms in Hong Kong potentiellen Interessent*innen zeigt, den Wert mit 140'000 bis 180'000 Dollar veranschlagt: Der Hut dürfte für seine*n Käufer*in um einiges teurer werden.

Wer sich von diesen Preisen für einen wortwörtlich alten Hut bereits etwas aus der Fassung gebracht wird, dürfte angesichts anderer Auktionsobjekte und der Preise, die sie erzielen, noch etwas aufgebrachter fühlen. Beispiele gefällig? Eine Haarlocke von Elvis Presley liess sich ein Fan 2002 115'000 Dollar kosten – während man Justin Biebers Locken 2011 schon zum Schnäppchenpreis von etwas über 40'000 Dollar bekommen konnte.

Sagenhafte Preise erzielten in den letzten Jahren aber vor allem auch Kunstobjekte – David Hockney’s Gemälde «Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)» erzielte über 90 Millionen Dollar an einer Christie’s Auktion in 2018, nur bevor es sechs Monate später vom Preis für Jeff Koons «Rabbit» wieder übertrumpft wurde – ersteigert wurde das Objekt für über 91 Millionen Dollar. Gegenüber Pablo Picasso’s «Les Femmes d’Alger» ist auch das ein Pappenstiel. Das vom selben Auktionshaus ein paar Jahre vorher verkaufte Bild brachte über 179 Millionen Dollar ein. 

Für dieses Geld, sofern man’s dann hat, liesse sich sicher ein bedeutender Teil von Napoleons Hut-Garderobe zusammenkaufen. Oder man kontaktiert diejenigen Sammler*innen, die im vergangenen April zum 200. Todestags Bonapartes etwa 360 andere Objekte aus seinem Besitz ersteigert hatten. Darunter – zum Beispiel: Das blutbespritzte Tuch, das über den Leichnam des Imperators gebreitet worden war.