Vollgas entschleunigen

Foto von jungem Mann in Hängematte zwischen Limettenbäumen

Vollgas entschleunigen

Das ernannte Ziel der Slow-Bewegung ist die Bekämpfung der sogenannten «Zeit-Armut». Denn wer unter Zeit-Armut leidet, entwickelt Stress – und bekanntlich führt Stress zu gesundheitlichen Problemen. Dagegen hilft: Entschleunigen!

Die technologischen Fortschritte der letzten 100 Jahre tragen einen grossen Anteil an der Beschleunigung unserer Welt. Der Staubsauger, die Heizung, die WC-Spülung – um nur wenige zu nennen – sind Erfindungen, die wir heute nicht mehr missen möchten, aber zu welchem Preis?

Die Zeit, die wir dank Verzicht auf zusätzliche Handarbeit einsparen, wenden wir auf, um noch mehr zu arbeiten und noch mehr Termine wahrzunehmen. Wir rennen von Meeting zu Meeting und vernachlässigen dafür bewusste Ernährung, Familie und nötige Erholung. Konsequenz: Ein Ruhe-Manko, das es zu kompensieren gilt.

Grundstein der Slow-Bewegung legte 1986 ein Protest-Essen gegen die Eröffnung eines Ablegers einer internationalen Fast-Food-Kette in Rom, das Carlo Petrini organisierte. Wenige Jahre später gründete er – als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft – die Slow Food-Vereinigung.

Slow Food ist, was gut ist, Zeit braucht und nachhaltig hergestellt wird. Im Logo befindet sich deshalb die Weinbergschnecke, als Symbol der Langsamkeit. Slow Food inspirierte in der Folge Unmengen an weiteren Bewegungen.

Darunter auch Slow Travel – denn was wirkt entschleunigender, als sich eine Auszeit zu gönnen und zu reisen? Beim Reisen soll jedoch der Kontakt zur Bevölkerung und das Leben in einer anderen Kultur – und somit auch im dortigen Zeitverständnis – im Mittelpunkt stehen. Der Reiseführer mit den darin empfohlenen Sehenswürdigkeiten darf getrost zu Hause bleiben.

Slow-Reisende bleiben für mindestens eine Woche am selben Ort, kaufen lokal auf Märkten ein und kochen für sich selber, wie sie es auch zu Hause tun würden. Durch den Marktbesuch gerät man automatisch in Kontakt mit der lokalen Bevölkerung, lernt die nächste Umgebung kennen, erhält wertvolle Tipps für Reiseziele und verzichtet ganz Bewusst auf den Sightseeing-Stress. Selbst einfach nichts tun liegt völlig drin.

Erfahrung und Qualität – und nicht etwa Quantität – stehen im Mittelpunkt. Zu Fuss oder mit dem Mietvelo – und nicht etwa mit dem vollgepackten Reisecar – wird die Reise im gemütlichen Schneckentempo zum ultimativ entschleunigenden Erlebnis, egal wo.