Mit dem Gesicht bezahlen

Bild eines Gesichts bestehend aus vielen kleinen Punkten

Mit dem Gesicht bezahlen

Beim Betreten eines Gebäudes wird das Gesicht gleich aus mehreren Winkeln fotografiert und in einer riesigen Datenbank abgelegt. Obendrein wird gleich noch vermerkt, wo, zu welcher Zeit und für wie lange jemand Zutritt zu gewissen Bereichen erhält.

Die Software der chinesischen Firma «Face++», die das macht, kann bis zu 106 verschiedene Punkte in einem menschlichen Gesicht gleichzeitig fixieren und diese auch in Bewegung erkennen.

In den letzten Jahren haben Computer punkto Gesichtserkennung enorme Fortschritte gemacht. Gerade in China ist das Potenzial riesig, da der Komfort, der durch das Vereinfachen von alltäglichen Prozessen – wie Identifikation oder Bezahlen – entsteht, geschätzt wird. Die Gesichtserkennung – gerade in Zusammenhang mit Banken, Läden und Verkehr – wird das tägliche Leben nachhaltig verändern – das scheint klar.

Bereits über 120 Millionen Chinesen und Chinesinnen benutzen die Gesichtserkennungssoftware, um Zahlungen zu machen und um Geld zu senden und zu empfangen. Dieselbe Software ermöglicht es den Kunden von Vermittlungsdiensten zur Personenbeförderung – wie beispielsweise «Uber» – die Seriosität der Fahrer verifizieren zu lassen.

Die Software verlangt von der gescannten Person, dass sie sich bewegt – also mit dem Kopf wackelt oder spricht – damit es nicht zu missbräuchlichem Verhalten kommen kann. Beispielsweise könnte jemand versuchen, einfach eine Fotografie der Person, die das Konto führt, in die Kamera zu halten.

Ein weiterer Grund, weshalb die Software so erfolgreich ist, ist die Haltung Chinas gegenüber Überwachung und Privatsphäre. Überwachung und Sicherheit wird gross geschrieben und so sind Kameras auch allgegenwärtig. China führt eine riesige Datenbank mit den Portraitfotos von Identitätskarten. Mit Hilfe der Software werden diese mit dem Filmmaterial von Überwachungskameras abgeglichen, um Verdächtige aus Kriminalfällen ausfindig zu machen.

Laut einer Studie der marktführenden chinesischen Suchmaschine «Baidu» ist die Software mittlerweile besser im Erkennen von Gesichtern als das menschliche Auge. Die Firma entwickelt nun ein neues Bezahlsystem, damit es durch einen simplen Gesichtsscan im öffentlichen Verkehr keine Tickets mehr braucht.

Die Daten, die durch die zig Millionen Scans tagtäglich zusammenkommen, werden das Konsumverhalten der Menschen noch berechenbarer machen und sich langfristig auf die Werbestrategien auswirken. Zumindest in China. Ob sich die Software auch bei uns durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.