Neues Business: Gentech ohne Gentech

Foto innerhalb eines Nahrungskontainers

Neues Business: Gentech ohne Gentech

Am «MIT Media Lab» in Cambridge, Massachusetts, wird gerade haufenweise Basilikum in schiffskontainergrossen Gewächsanlagen gezüchtet. Indem die Intensität sowie die Dauer der UV-Lichtbestrahlung, der Salzgehalt des Wassers und noch weitere Einflüsse reguliert werden, sollen die idealen Bedingungen für schmackhafteres Wachstum erforscht werden.

Die verschiedenen Wachstumszyklen werden von einem Computer protokolliert. Und anhand der Menge geschmackstragender Moleküle in den Pflanzen wird entschieden, welche Bedingungen dem Geschmack entgegenkommen und welche nicht. Dadurch sollen sogenannte «Klima-Rezepte» geschaffen werden, die weltweit geteilt werden sollen, um überall bessere Nahrung züchten zu können.

Wissenschaftler entwickelten den «Nahrungscomputer» aufgrund der Klimaerwärmung, da diese die traditionelle Landwirtschaft zunehmend erschwert. Das vermehrte Auftreten von Hitzewellen, Unwetter und Krankheitsbefall zeigen, dass es immer öfters Gewächshäuser brauchen wird, in denen beispielsweise Gemüse ungestört wachsen kann.

Indem die Gewächshäuser technisch aufgewertet wurden, ist es möglich, die verschiedenen Klimas der Welt zu simulieren. Damit könnten beispielsweise auch in der Schweiz bald schmackhafte Avocados gezüchtet werden. Die langen Importwege der exotischen Frucht könnte man sich sparen.

Der Computer analysiert in einem Wachstumszyklus rund drei Millionen Werte einer einzigen Pflanze. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Pflanzen bei einer durchgehenden Bestrahlung 895% der herkömmlichen Menge eines bestimmten Geschmacksmoleküls produzieren. Der Computer zeigte auch, dass ein Zusammenhang zwischen Grösse und Geschmack besteht – kleinere Pflanzen produzieren schmackhaftere Nahrung.

Nebst dem Geschmack können dank dem Nahrungscomputer auch andere Faktoren – wie Nachhaltigkeit und Kosten – optimiert werden. Das «MIT Media Lab» hat alle Daten inklusive Anleitung zur Herstellung eines solchen Computers öffentlich zugänglich gemacht, somit können auch Privatpersonen mit einem vernünftigen Technik-Knowhow bald eigene Nahrung züchten.

Das Team der Wissenschaftler ist überzeugt, den Weg für schmackhaftere und nachhaltigere Nahrung freigemacht zu haben und all dies, ohne mit der DNA der Pflanzen experimentiert zu haben – was ja weltweit kritisch beäugt wird. Stattdessen wird der Pflanze eine künstliche Umgebung geboten, in der sie jedoch auf natürliche Art wachsen kann.