Facebook: Die Krise des Giganten

Die Logos von Meta und Facebook

Facebook: Die Krise des Giganten

Mark Zuckerberg hat noch so einiges vor. Das stellte der Unternehmer einmal mehr klar, als er jüngst die Neuausrichtung seines Konzerns präsentierte – inklusive Re-Branding. Aus Facebook wird Meta und damit will Zuckerberg Zugang zum «Metaverse» schaffen – einer Welt, die Realität, virtuelle Realität und erweiterte Realität verbindet. Gelingen soll das unter anderem mit sogenannten Smart Glasses, hergestellt vom Kult-Brand Ray Ban. In einer einstündigen Keynote erklärt der Facebook-Gründer, was es mit dieser schönen neuen Welt auf sich hat. Was die Sache so richtig creepy macht: Es ist nie so recht klar, ob nun Zuckerberg oder sein Avatar in die Kamera lächelt.

Die Präsentation des neuen Auftritts und Zuckerbergs Vision gingen nicht ohne Misstöne über die Bühne. Ein deutsches Startup beklagte kurz nach Go-Live der Meta-Kampagne, dass ihr Logo quasi 1:1 übernommen wurde, während der amerikanische Computerbauer Meta PC anmeldete, dass sie den Namen – ihren Namen! – nicht einfach so hergeben wollen. Gegen ein kleines Entgelt von 20 Millionen Dollar wären sie bereit, den Meta-Brand Facebook zu überlassen. Digital-Expert*innen wiederum monieren, dass Zuckerbergs Unternehmen mit dem Metaverse noch viel tiefer in die Leben von uns allen eindringen werde. Denn in der neuen Umgebung werden nicht nur unsere Klicks getrackt, sondern jede einzelne noch so kleine Bewegung. So werden nicht mehr nur Interessen erhoben, sondern auch Biodaten und einiges mehr.

Auch davon abgesehen sorgte Meta beziehungsweise Facebook in der Vergangenheit immer wieder für Negativschlagzeilen. Die Facebook Papers – tausende von internen Dokumenten, die im Herbst 2021 geleakt wurden – zeigen auf, dass Missstände vermehrt erkannt, aber nicht angegangen wurden. Frances Haugen, die den Leak verantwortet, sagte vor dem amerikanischen Kongress, das Unternehmen tue alles dafür, um zu wachsen.

Die Enthüllungen der ehemaligen Facebook-Mitarbeiterin haben es in sich. Hassnachrichten, Falschinformationen, psychische Probleme bei den Nutzer*innen – all das besorgt das Unternehmen anscheinend so lange nicht, wie der Profit stimmt. Und auch vor Kollaborationen mit autoritären Regierungen scheint Facebook nicht zurück zu schrecken. Die neuesten Vorwürfe gegen Zuckerbergs Imperium in dieser Hinsicht: Sie gingen dem Wunsch der vietnamesischen Regierung nach, «staatsfeindliche» Beiträge von der Plattform verschwinden zu lassen. 

Skandale wie diese sind aber nicht die grösste Sorge des Social-Media-Giganten. Das schwindende Interesse bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen dürfte Zuckerberg und seinen Leuten eher Bauchschmerzen bereiten. Die bisherige Strategie – eine möglichst grosse Bandbreite an User*innen abzuholen – hat dafür gesorgt, dass die Bedürfnisse und Interessen von jüngeren Nutzer*innen hinten anstehen mussten. So sind Facebook, Instagram, WhatsApp & Co. längst nicht mehr die erste Wahl bei jungen Menschen. Angesagt sind da etwa TikTok, Snapchat und YouTube. Nun lenkt das Unternehmen um und stellt wieder die Interessen der Jungen in den Fokus seines Tuns. Ob das gut geht? 

Zumindest die Investor*innen scheint das zu überzeugen. Die Aktie legt nach einem Dämpfer im Sommer 2021 wieder zu. Neben der Ankündigung der Eroberung des Metaverses dürfte das jüngste Quartalsergebnis massgeblich dazu beigetragen haben. Der Internet-Riese hat nämlich seinen Gewinn im dritten Quartal um 17 Prozent auf schwindelerregend hohe 9,2 Milliarden Dollar steigern können. Mit knapp 3 Milliarden Nutzer*innen lässt sich halt dann doch ganz gut Geld verdienen. 

Foto von Mark Zuckerberg

Die Zeit vor Facebook

Am 4. Februar 2004 lancierte Mark Zuckerberg die Online-Plattform «Thefacebook» in Eigenregie, weil ihm die Entwicklung der offiziellen Plattform seitens der Universität zu lange dauerte.