Facebook muss sich Apple beugen

Das Apple Logo an einer Verkaufstelle

Facebook muss sich Apple beugen

«Datenschutz bedeutet, dass die Menschen wissen, worauf sie sich einlassen, und zwar im Klartext und wiederholt.» – ein Zitat des verstorbenen Apple-CEO Steve Jobs aus dem Jahr 2010, das seit vergangenem Sommer wieder an Aktualität gewinnt. Damals verkündete Apple, dass bald Schluss sei mit dem automatischen Tracken von Nutzer*innen-Daten. 

Nun ist iOS 14.5 seit Ende April verfügbar. Teil dieses Updates ist das Feature «App Tracking Transparency» oder kurz ATT. Das heisst, Nutzer*innen von Apple-Geräten werden nach Installation von iOS 14.5 beim Öffnen jeder App gefragt, ob ihre Aktivitäten getracked werden dürfen. 

Bisher war das Tracking standardmässig erlaubt. Die Aktivitäten eines Nutzers oder einer Nutzerin waren per IDFA –  sinngemäss: ID für Werbetreibende –  erkennbar. Solche Datensätze dienen als Grundlage für personalisierte Online-Werbung. Und als Grundlage für Unternehmen wie Facebook, die Werbenden diese Daten für zielgerichtete Anzeigen verkaufen.

Facebook setzte 2020 84 Milliarden US-Dollar mit Werbung um.  2009 waren es noch 764 Millionen. Es ist also wenig überraschend, dass gerade Facebook lauthals gegen iOS 14.5 protestiert. Zuckerbergs Plattform schaltete unter anderem Printanzeigen und fuhr mit einer Kampagne auf, um aufzuzeigen, dass vor allem kleine Unternehmen die Leidtragenden des Updates seien. 

Facebook’s Vizepräsident für Anzeigen, Dan Levy, warf Apple auch vor, das Unternehmen wolle den eigenen App Store nutzen, um auf Kosten von App-Entwicklern und kleinen Unternehmen Gewinne zu erzielen. Denn wer kein Geld mehr mit Werbung generiert, switcht unter Umständen zu kostenpflichtigen Apps oder In-App-Käufen. An diesen Einnahmen partizipiert Apple.

Auch in Europa gibt es Widerstand gegen iOS 14.5. Acht Verbände der deutschen Medien- und Kommunikationswirtschaft reichten beim Bundeskartellamt eine Missbrauchsbeschwerde ein. Der Vorwurf: Apple missbrauche mit der ATT seine Marktmacht und verstosse gegen Kartellrecht.

Wer aufgrund von iOS 14.5 schlussendlich profitiert und wer verliert, wird sich zeigen. Die Antwort ist stark abhängig davon, wie viele User*innen das Tracking tatsächlich ablehnen respektive erlauben. 

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