Fake News und die Börse

Viele Buchstaben aus einem Bleisetzkasten

Fake News und die Börse

«Fake News»: Spätestens der amtierende US-Präsident hat den Ausdruck zu einem geflügelten Wort gemacht. Fake News sind Falschmeldungen; als Fakten getarnte, vermeintliche Neuigkeiten, die oft in Sozialen Medien gestreut, geliked und kommentiert werden.

Auch in der Corona-Krise tauchen täglich solcherlei falsche Informationen auf und werden teilweise von Leuten für bare Münze genommen. Bereits seit einigen Jahren befürchten einige – unter anderen Angela Merkel –  den Anbruch eines so genannten postfaktischen Zeitalters, bei dem zunehmend ununterscheidbar wird, was wahr und was falsch ist.  

Jüngst wird vermehrt darüber spekuliert, ob «Fake News» auch die Börsenkurse beeinflussen. Trump selbst etwa machte solche im März diesen Jahres (2020) für den um 7 Prozent einbrechenden Kurs des Dow Jones-Indexes verantwortlich – neben dem Kampf auf dem Ölmarkt zwischen Saudi Arabien und Russland. 

Es gibt allerdings durchaus konkrete Fälle, in denen falsche Informationen Konsequenzen für die Börsenkurse von Unternehmen hatten. So soll etwa die schwedische Schauspielerin Kamilla Bjorlin Autoren angeheuert haben, die auf Sozialen Medien hunderte positive Berichte zu bestimmten Unternehmen schrieben, damit deren Kurse stiegen. 

Die amerikanische Börsenaufsicht warf ihr etwa in einem Fall vor, den Kurs eines kleinen Pharmaunternehmens mit diesem Trick um sagenhafte 925 Prozent in die Höhe getrieben zu haben. Bjorlin wurde Anfang dieses Jahres in Washington rechtskräftig verurteilt. Sie darf unter anderem die nächsten fünf Jahre keinerlei Geschäfte an der Börse tätigen und muss eine Strafe von über 700'000 US-Dollar zahlen. 

Es dürfte sich hier um keinen Einzelfall handeln, wie der amerikanische Börsentitan Jim Chanos, der ehrfürchtig von seinen Konkurrenten als «Darth Vader der Wall Street» beschrieben wird, vor kurzem gegenüber der Financial Times betonte. Das derzeitige Umfeld, so der milliardenschwere Hedgefonds-Manager, sei ein fruchtbarer Boden für Leute, die sehr locker mit der Wahrheit umgehen würden. Solange die Finanzmarktaufsicht derart lax sei, könnten Betrügereien oft nur erst im Nachhinein festgestellt werden.

Chanos selbst scheint diesbezüglich einen guten Riecher zu haben. Bei seinem jüngsten Handelserfolg, der ihm 100 Millionen Dollar eingebracht hat, wettete er gegen den deutschen Zahlungsverkehrsdienstleister Wirecard. Dieser hat kürzlich Bankrott angemeldet, nachdem 1.9 Milliarden Dollar des Kapitals nicht auffindbar waren – einer der grössten Finanzskandale der jüngeren Geschichte. Mitarbeitende des Finanzdienstleisters sollen Umsätze in den Bilanzen erfunden und Bilanzprüfer mit Schauspielern getäuscht haben.

 

Zeichnung der ersten Weltwirtschaftskrise

Fallende Kurse und ein Hurrikan

Der Niedergang eines amerikanischen Finanzunternehmens markierte 1857 den Beginn der ersten Weltwirtschaftskrise. Unter anderem aufgrund eines neuen Kommunikationsmediums.