Fleisch, das keines ist

Ein Hamburger von der Seite

Fleisch, das keines ist

Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung belastet die Umwelt auf mehreren Ebenen, unter anderem aufgrund der Treibhausgas-Produktion und des Wasserverbrauchs. Diese Belastungen werden in Zukunft noch weitreichendere Folgen haben, sofern wir unseren Fleischkonsum respektive unsere Lebensmittelproduktion nicht überdenken. Denn: 2050 sollen sich 10 Milliarden hungrige Mäuler auf dem Planeten befinden.

Ein Ansatz, den Fleischkonsum zu minimieren und die Umwelt zu schonen, sind pflanzliche Alternativen. Mehrere Unternehmen tüfteln seit Jahren an pflanzlichen Ersatzprodukten, die tierische Originale imitieren. Nicht nur was das Aussehen betrifft, sondern ebenso die Textur, Geschmack und die Veränderung bei Zugabe von Hitze. Die Alternativen sollen alle Konsumenten ansprechen, nicht nur Veganer und Vegetarier.

Der erfolgreichste Player in dieser Sparte ist Beyond Meat. Das Aushängeschild des amerikanischen Nahrungsmittelproduzenten ist ein veganer Burger, der hauptsächlich aus Erbsenprotein besteht. Die Herstellung des Beyond Burger generiert 90% weniger Treibhausgase als jene eines Fleisch-Burgers. Und auch hinsichtlich Ressourcenschonung punktet der Fleisch-Ersatz, an dem über drei Jahre gefeilt wurde.

Zu Beyond Meats Investoren zählen Bill Gates und Leonardo Di Caprio. Im Frühjahr 2019 ging das Unternehmen an die Börse und legte den erfolgreichsten Börsengang seit 2008 hin. Die Aktie gewann am ersten Tag 163% an Wert. 240 Millionen US-Dollar soll die Börseneinführung in Beyond Meats Kassen gespült haben. Der Börsenwert beträgt mittlerweile 5.9 Milliarden US-Dollar, bei Einführung waren es 1.5 Milliarden US-Dollar.

Damit steht das Unternehmen exemplarisch für die gesamte Branche. Ein Analyst von J.P. Morgan geht davon aus, dass der Markt für pflanzliche Fleisch-Alternativen in 15 Jahren 100 Milliarden US-Dollar wert sein wird. Das Finanzunternehmen Barclays nimmt an, dass der Markt in den nächsten zehn Jahren auf 140 Milliarden US-Dollar anwächst. Die Unternehmensberater von A.T. Kearney glauben, dass Pflanzen-Fleisch bis 2030 28% des gesamten Fleischmarktes ausmacht.  

Von diesem lukrativen Kuchen wollen sich natürlich viele ein Stück sichern. Nestlé beispielsweise präsentierte vor Kurzem seinen Incredible Burger, der unter anderem Soja- und Weizeneiweiss enthält. Der Multi soll im Bereich pflanzlicher Nahrungsmittel innerhalb von zehn Jahren einen Umsatz von 1 Milliarde Franken im Visier haben.

Nicht nur pflanzliche Fleisch-Alternativen sind auf dem Vormarsch, auch das sogenannte «Clean Meat» dürfte die karnivore Zukunft prägen. Es handelt sich dabei um Kunstfleisch, das im Labor hergestellt wird. Dafür werden tierische Stammzellen verwendet, die anschliessend ohne weitere tierische Bestandteile in einer Petrischale heranwachsen. Das Potential dieser Methode sieht offenbar auch die Schweizer Bell Group. Im Juni beteiligte sich die Firma am niederländischen Start-up Mosa Meat, das im Bereich «Clean Meat» führend ist.

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