Fliegende Taxis und Sitzungszimmer

Foto des Flugzeugs Alice der Firma Eviation

Fliegende Taxis und Sitzungszimmer

Die internationale Luftverkehrsvereinigung IATA rechnet damit, dass 2018 6% mehr Passagiere per Flugzeug befördert werden als noch im Vorjahr. Das wären insgesamt 4.3 Milliarden Menschen, die via Flugzeug von A nach B reisen. Das Wachstum bringt nicht nur Flughäfen und Fluggesellschaften an ihre Grenzen, es belastet auch die Umwelt. Der Flugverkehr ist für etwa 4% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Um dem Vielfliegerei-Bedürfnis möglichst kosteneffizient nachzukommen, tüfteln verschiedene Firmen und Institutionen an neuen Flugzeugtypen. Denn je leichter ein Flugzeug, desto weniger Treibstoff wird benötigt. Hier kommen neue Werkstoffe ins Spiel: Heute verbaut man immer mehr kohlefaserverstärkte Kunststoffe, denn sie sind leichter als beispielsweise Aluminium. Das Kleinflugzeug «Alice» der israelischen Firma Eviation besteht zu 95% aus solchen Kunststoffen. 200 Millionen US-Dollar benötigt Eviation noch, um es tatsächlich auf den Markt zu bringen.

Was an «Alice» aber in erster Linie für Aufregung sorgt, ist ihr alternativer und umweltschonender Antrieb. Das Kleinflugzeug fliegt elektrisch, ohne jegliches Kerosin. Mehrere Institutionen arbeiten derzeit an einem elektrischen Antriebssystem, darunter auch Boeing, Rolls Royce und Siemens. Elektro-Flugzeuge werden allerdings vorerst nur auf Kurzstrecken einsetzbar sein. Experten gehen davon aus, dass sie unsere Art der Fortbewegung revolutionieren und sich als als Lufttaxis etablieren werden.

«Aerion AS2» wird ebenfalls weniger Treibstoff verbrauchen, denn dank seiner Form und seines Materials verringert sich der Luftwiderstand. 2023 soll das überschallschnelle Flugzeug auf den Markt kommen und 120 Millionen US-Dollar kosten. Mit Überschall-Technologien arbeitet auch das Start-Up Boom Supersonic. Sein Modell «XB-1» wird mit 2.2 Mach fliegen, was die Flugzeiten halbiert. Japan Airlines hat 10 Millionen in die Unternehmung investiert und 20 Stück des Flugzeugtyps vorbestellt.

Auch der Flugzeuginnenraum verändert sich. Hersteller Airbus hat beispielsweise eine Art Unterhaltungshelm patentieren lassen. Mittels VR-Technologie sollen Passagiere während des Flugs unter anderem mit Musik und Filmen versorgt werden. Der Sitzhersteller Aviointeriors hat einen Stehsitz entwickelt, der wohl in erster Linie für Airlines interessant ist. Denn dank «Skyrider 2.0» finden in einem Flugzeug 20% mehr Passagiere Platz. Qatar Airways bewegt sich mit ihren «Qsuites» in die entgegengesetzte Richtung: Jeweils vier Passagiere können sich einen eigenen kleinen Bereich an Bord herrichten, mitunter als Sitzungszimmer.

Der Technik-Fortschritt wird auch am Boden genutzt. Ein neues System zur Verfolgung und Überwachung von Luftfahrzeugen der Firma Aireon ermöglicht unter anderem eine präzisere Routenplanung und bessere Steuerung der Flughöhe, was wiederum zu kürzeren Flugzeiten und reduziertem Treibstoffverbrauch respektive weniger Emissionen führt. Würde ADS-B weltweit eingesetzt, könnten jährlich über 110 Millionen Gallonen Treibstoff eingespart werden.

Zudem beginnen Fluggesellschaften wie auch Flughäfen Blockchain für sich zu entdecken. Die deutsche Lufthansa hat eine Initiative ins Leben gerufen, um herauszufinden, welche Bereiche von der Technologie profitieren könnten. Zudem hat Lufthansa mit dem Schweizer Start-Up Winding Tree zusammengespannt, um ein Blockchain-basiertes Online-Reisebüro zu etablieren. Auch Air New Zealand und Air Canada kooperieren mit Winding Tree.

Ein Flugzeug von unten

Flugreisen: Wer kompensiert?

Bei einer Kurz-Umfrage auf dieser Website haben rund 3500 Personen angegeben, ob sie beim Kauf eines Flugtickets die freiwillige Kompensationsgebühr bezahlen. Das Resultat wirft eine Frage auf.