Flip Flops für 1 Milliarde Franken

Bild von Frauenfüssen mit blauen Havaianas-Sandalen

Flip Flops für 1 Milliarde Franken

Reich geworden ist die Familie Batista mit Rindfleisch. Als Brasilien 1956 mit dem Bau einer neuen Hauptstadt – namentlich Brasilia – begann, lieferte der Metzger José Batista Senior das Fleisch für die rund 100’000 Arbeiter. Und das bis 1960, bis zur Fertigstellung der Planstadt. Heute ist JBS, so der Firmenname, der grösste Fleischverarbeiter der Welt.

Das über die Jahrzehnte angewachsene Vermögen hat die Familie angelegt. 2015 hat die Familie mehr Geld mit dem Wetten auf den Einbruch der brasilianischen Währung verdient als mit dem Fleischhandel. Zu den weniger spekulativen Investments der Batistas zählte bis eben noch der brasilianischen Flip Flop-Brand «Havaianas».

Wer nicht weiss, was Havaianas sind: Das sind einfache Plastiksandalen, die traditionellen Zori-Sandalen nachempfunden sind. Der Name heisst Hawaiianer auf Portugiesisch. Hergestellt werden sie seit den 1960er-Jahren, zu Anfang für den brasilianischen Markt. Ende der 1990er-Jahre mutierte die Billig-Sandale auch dank prominenter Trägerinnen wie Gwyneth Paltrow und Jennifer Aniston zu einem globalen Fashion-Phänomen.

Diesen «Goldesel» haben die Batistas gerade verkauft – nicht freiwillig. Die rund eine Milliarde Franken, die ihnen ein Konsortium aus drei Investmentgesellschaften zahlte, benötigt die Familie für die Tilgung von Bussen in Höhe von fast drei Milliarden Franken. Auferlegt wurden ihnen diese Strafzahlungen von der brasilianischen Justiz. Das Verdikt: Korruption im grossen Stil.

Tatsächlich wurde den geschäftsführenden Brüdern Wesley und Joesley Batista das Schmieren von rund 2000 hochrangigen Politikern und Beamten nachgewiesen. Dabei ging es um die Gewährung günstiger staatlicher Kredite und um fingierte Hygiene- und Produktionskontrollen in den Schlachthöfen von JBS. So haben es immer wieder chemisch präparierte Gammelware und bakteriell infiziertes Fleisch in die Verkaufsregale geschafft.

Und wie es scheint, ist das nur die Spitze des Eisbergs. Jüngst wurde Brasiliens amtierender Präsident, Michel Temer, wegen Korruption angeklagt. Auslöser: Ein auf Band aufgenommenes Gespräch zwischen ihm und Joesley Batista. Gesprächsinhalt: Bestechung des ehemaligen Parlamentssprechers, der eine tragende Rolle bei der Absetzung von Temers Vorgängerin Dilma Roussef spielte.

Erhärten sich die Beweise gegen Temer, käme das Ganze einem stillen Staatscoup gleich. Für die brasilianische Bevölkerung ist es indes wie «Und täglich grüsst das Murmeltier». Lula da Silva, der Brasilien von 2003 bis 2011 regierte, wurde kürzlich wegen Korruption verurteilt. Dilma Roussef, die für Temer Platz machen musste, soll ihren Wahlkampf mit Schwarzgeld finanziert haben. In beiden Fällen sollen die Batistas mit drin hängen...

Collage von angebissenem Apfel, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas

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