Früher verspottet, heute im Trend

Gläser gefüllt mit Bier beim anstossen

Früher verspottet, heute im Trend

Alkoholfreie Getränke galten lange Zeit als uninteressant – für Konsument*innen genauso wie für Produzent*innen. So wurde das spärliche Sortiment an Non-Alkoholika in Bars und Clubs stets stiefmütterlich behandelt und war grösstenteils denjenigen vorbehalten, die von ihren Freund*innen als Fahrer*innen auserkoren wurden.

Seit einigen Jahren erleben Getränke ohne Alkohol nun aber eine Hausse. Nachdem es Mocktails – also Cocktails ohne Alkohol – ins Standardangebot vieler Ausgehlokale geschafft haben, sind nun auch alkoholfreie Biere im Trend. Dabei befeuern sich Angebot und Nachfrage gegenseitig. 

Einerseits schwören immer mehr junge Menschen dem Alkohol ab. Die englische Zeitung The Independent berichtete jüngst, dass über ein Viertel aller 16- bis 24-Jährigen angäben, sie würden die Finger vom Alkohol lassen. Dass diese Konsument*innen nicht nur Wasser und Limonade trinken wollen, versteht sich von selbst. 

Anderseits entwickelten sich im Windschatten der Craft-Beer-Invasion der letzten Jahre auch die non-alkoholischen Malz- und Hopfensäfte weiter. Waren die alkoholfreien Angebote vieler Brauereien bis vor wenigen Jahren noch auf ein charakterloses Lager pro Anbieter beschränkt, explodieren die entsprechenden Sortimente aktuell. 

Auch gibt es heute viele Mikrobrauereien, die mehrere alkoholfreie Biere anbieten, oder sich gar auf dessen Produktion beschränken. Zu letzteren zählt etwa die englische Nirvana Brewery, deren Produkte auch in der Schweiz erhältlich sind.

Das wachsende Angebot schlägt sich in den Verkaufszahlen nieder. In der Biernation England wurde von Februar 2018 bis Februar 2019 mit alkoholfreien Bieren 28% mehr umgesetzt als in den zwölf Monaten davor. Aber nicht nur im Land der Ales, Stouts, Porters et al wird ordentlich «Bleifreies», wie Bier ohne Alkohol einst verspottet wurde, getrunken, sondern auch in anderen europäischen Ländern wie Deutschland, Polen, Holland oder Schweden. 

Nirgends in Europa wird aber so viel alkoholfreies Bier getrunken wie in Spanien. Ganze 12% macht dessen Anteil am gesamten Bierkonsum aus. Grund dafür sei die ausgeprägte Feierabendbier- und Tapas-Kultur der Spanier*innen, heisst es in einer Studie der Irish Brewers Association (IBA).

Der Markt für alkoholfreies Bier und Konsorten wächst – und damit auch das Interesse der unterschiedlichen Player. Mittlerweile gibt es gar eine eigene Messe für alkoholfreie Getränke. Am ersten Lo & No Beverage Summit, der im Oktober 2019 in London stattfand, buhlten kleine hippe Brauereien wie auch Industriegrössen à la Bacardi oder Pernod Ricard um die Gunst von potentiellen Investor*innen und Verteilern. 

Das Datum für die nächste Messe steht bereits fest. Dass bis dahin viele neue Anbieter*innen im Markt mitmischen und zig weitere Produkte erhältlich sein werden, scheint ebenfalls klar zu sein. Nichtalkoholisches ist definitiv im Trend. In dem Sinne: Prosit!

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