G.E.M. – Chinas Taylor Swift

Portrait der Sängerin G.E.M

G.E.M. – Chinas Taylor Swift

Während J- und K-Pop in unseren Breitengraden schon länger geläufige Begriffe sind und heute damit europäische Stadien mit von weither angereisten Fans gefüllt werden, so zählt C-Pop hierzulande nach wie vor zu den Exoten unter den Musikgenres. Die Rede ist von Popmusik aus dem fernen Osten – aus Japan (J), Korea (K) respektive China (C).

Verantwortlich für den stiefmütterlichen Blick des Westens auf C-Pop ist mitunter Chinas Zensurbehörde, die Internetseiten wie YouTube, Facebook oder Instagram für die Nutzung in der Volksrepublik blockiert. Diese Plattformen sind für den Erfolg von Musiker*innen im Westen essentiell. 

Für hiesige Acts versteht sich dies von selbst. Insbesondere die europäische Invasion von K-Pop zeigt aber, wie wichtig die (richtige) Nutzung von YouTube und Co. für den Erfolg von Acts aus nicht-westlichen Kulturkreisen sein kann.

Ein weiterer Grund dafür, dass C-Pop-Musiker*innen es noch nicht in den europäischen Mainstream geschafft haben, ist die Tatsache, dass der Westen für die Chines*innen selbst eine Nebensache darstellt. Mit rund 1,4 Milliarden Einwohner*innen ist China das bevölkerungsreichste Land der Welt. 

Entsprechend viele Klicks und Streams gibt es vor Ort abzugrasen. Beispielsweise haben QQ Music, Kugou Music, WeSing und Kuwo Music – die vier Musikplattformen des chinesischen Internet-Giganten Tencent – mit insgesamt 800 Millionen monatlichen Nutzer*innen die gut vierfache Reichweite von Spotify. 

2017 war China mit einem Umsatz von 292 Millionen US Dollar auch bereits der zehntgrösste Musikmarkt der Welt. Tendenz steigend: Im Vorjahresvergleich legte das Volumen um über einen Drittel zu.

Dennoch ist künftig auch ausserhalb der Volksrepublik mit chinesischen Popstarts zu rechnen. Bestes Beispiel dafür ist Gloria Tang Sze-wing, eine in Shanghai geborene und in Hongkong aufgewachsene Sängerin. 

Anno 2008 lancierte sie unter dem Künstlernamen G.E.M. ihre Karriere. Seither hat die aus einer musikaffinen Familie stammende Tang Sze-wing sechs Studioalben veröffentlicht; darunter das 2015 erschienene Album Heartbeat, das Ausgangslage einer mehrteiligen Tour war, die sich über mehrere Jahre und Kontinente erstreckte.

Mittlerweile wird G.E.M. als «Chinas Taylor Swift» gehandelt. Der Vergleich ist durchaus berechtigt, denn nicht nur Tang Sze-wings enorme Stimmgewalt lässt an die US-amerikanische Country-Pop-Musikerin erinnern, sondern auch ihr immenser Erfolg. 

G.E.M.s Lied «Light Years Away», dem chinesischen Titelsong des 2016 erschienen Films Passengers, in welchem Jennifer Lawrence die Hauptrolle spielt, knackte im vergangenen Herbst etwa die 200-Million-Marke auf YouTube und wurde damit das meistgeschaute Video in chinesischer Sprache auf besagter Plattform. 

Und der Song ist damit nicht weit von den Top 30 der meistgeschaute YouTube-Videos überhaupt entfernt – eine Liste, die aktuell von Luis Fonsi und Daddy Yankees Überhit «Despacito» angeführt wird.

Das Verrückte an G.E.M.s Erfolg auf YouTube – und ein Beispiel für C-Pops potentiellen Impact: Vom Hauptmarkt – in China lebende Menschen – stammt, der Zensurbehörde sei Dank, nicht ein einziger Klick für «Light Years Away».

Schon mal C-Pop gehört?

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Screenshot einer Szene aus dem Despacito-Musikvideo

Auf das nächste «Despacito» spekulieren

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