Geplatzte Festivalsaison: Hoffen auf 2021

Foto von Leuten an einem Konzert

Geplatzte Festivalsaison: Hoffen auf 2021

Es ist in vielerlei Hinsicht ein ungewohnter Sommer. Während das Ferienland Schweiz davon profitieren könnte, dass viele eher “vor der Haustür” bleiben und in heimischen Seen und Gewässern baden statt am Mittelmeer, herrscht vor allem an bestimmten Orten gähnende Leere: Auf der Allmend Frauenfeld beispielsweise, wo sonst Jahr für Jahr das grösste HipHop-Festival Europas stattfindet.

180'000 Menschen tummeln sich normalerweise auf dem Gelände des Openair Frauenfeld – dieses Jahr allerdings findet das Festival wegen der Corona-Krise nicht statt. «Es bleibt uns nur etwas übrig – und zwar uns auf nächstes Jahr zu konzentrieren», meinte der Mediensprecher des Festivals, Joachim Bodmer, unlängst zu SRF. Man gehe davon aus, dass sich die Veranstaltung 2021 umsetzen lasse – allerdings sei den Beteiligten auch klar, dass dies nicht unter denselben Umständen geschehen werde wie bisher.

Wie dem Frauenfeld-Openair geht es zur Zeit den meisten grossen Freiluft-Veranstaltungen auf der Welt: Nicht nur in der Schweiz sind die beliebten Festivals abgesagt, auch international finden die allermeisten Events nicht oder in anderer Form statt. Das Gross-Spektakel Tomorrowland in Belgien beispielsweise soll nur online stattfinden, die auftretenden rund 60 Electro-DJs treten in virtueller Umgebung auf. 

Das Lollapallooza in Berlin, das berühmte Coachella-Festival in Kalifornien, das zunächst von April auf Oktober 2020 verschoben worden war, das beliebte Berner Gurtenfestival – sie alle sind aber definitiv und ersatzlos gecancelt. Wie die Gurten-Verantwortlichen in ihrer Mitteilung schreiben: «Traurig, aber wahr».

Ein Teil der Sponsoren dieser und weiterer abgesagter Festivals bezahlt zum Glück einen Teil der vereinbarten Beiträge trotz der Absagen. Sie erhalten als Gegenleistung bei den Festivals mehr Präsenz in Inseraten im Folgejahr sowie zusätzliche Tickets. Doch das alleine dürfte nicht reichen, um alle Festivals am Leben zu erhalten.
 

Branchenverbände in Deutschland gehen zum Beispiel davon aus, dass gerade Festivals im kleineren und mittleren Segment – das heisst solche mit bis zu 10'000 BesucherInnen am Tag – die dieses Jahr entstandenen Ausfallschäden nicht tragen können und dementsprechend eingehen.

Daniel «Duex» Fontana, der mit seinem Team in Düdingen jeweils Anfang Juni das jeweils innerhalb kürzester Zeit ausverkaufte, dieses Jahr aber ebenfalls abgesagte Feinschmecker-Festival Bad Bonn Kilbi veranstaltet, scheint diese düsteren Aussichten zumindest nicht ganz auszuschliessen. 

In einem Gespräch, das Radio SRF 3 mit dem langjährigen Veranstalter führte, meinte er schon Ende März: «Ein paar Festivals werden vielleicht verschwinden.» Vielleicht sei es auch deswegen an der Zeit, neue und junge Leute zu integrieren und andere Dinge zu wagen, die man vorher nicht verstanden habe.

«Viele unserer grossen Openairs haben einen starken Stand beim Publikum», meinte Duex dann doch auch hoffnungsvoll – und wenn dieses Publikum seine Unterstützung zeige, dann sei das Überleben möglich. Hoffen wir, dass er recht behält – und wir uns auf den nächsten Sommer freuen können. Denn: «Diese Anlässe fehlen», wie Duex im Interview meinte, «man will ja nicht nur arbeiten».

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Foto von vielen Menschen an einem Openair

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