Gesicht als Zahlungsmittel

Mao Zedong auf chinesischer 100 Yuan-Note

Gesicht als Zahlungsmittel

Knapp 60% der chinesischen Bevölkerung surft regelmässig im World Wide Web. Von diesen 800 Millionen Personen nutzen 98% mobiles Internet. Das Smartphone ist auch als Zahlungsmedium populär: 583 Millionen Chinesinnen und Chinesen nutzen das Gerät für diesen Zweck.

Alipay gehört im Reich der Mitte zu den erfolgreichsten Anbietern im Bereich Onlinebezahlsysteme und zu den Treibern der neuesten Entwicklungen: Zahlen per Gesichtserkennungssoftware. 

Je nach Software werden mit einer 3D-Kamera verschieden viele Punkte im Gesicht bestimmt, eindeutig zugeordnet, später zur Verifizierung der Identifikation und damit zum Authentifizieren der Transaktion genutzt. 

Alipay setzt dabei auf die Software F++ des Start-ups Megvii, dessen Wert im Mai 2019 auf 4 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde. Megvii zählt damit zu den bestbewerteten Start-ups der Welt. 

Der Gesichtserkennungssoftware-Markt stösst im Allgemeinen auf grosses Interesse: 2017 hatte er einen Wert von etwa 3 Milliarden US-Dollar, bis 2022 könnte sich diese Zahl bereits im zweistelligen Milliarden-Bereich bewegen. 

Das Zahlen per biometrischem Foto soll sicherer sein als das Authentifizieren mittels PIN oder Passwort. Zudem dauert der Prozess lediglich ein bis zwei Sekunden und ist damit schneller als die Nutzung einer EC-Karte oder eines Smartphones. Und: Geschwindigkeit ist ein grosser Pluspunkt in Millionenmetropolen wie in China.

Für das Massachusetts-Institut für Technologie MIT war bereits 2017 klar, dass das «Bezahlen mit Gesicht» zu den bahnbrechendsten Technologien des Jahres gehört. Gemäss einer Umfrage der Universität von Oxford kommen biometrische Authentifizierungsmethoden auch bei Konsumenten an. 93% würden eine solche Methode einem Passwort-geschützten System vorziehen. 

Datenschützer hingegen erfreuen sich weniger an diesen Entwicklungen. Insbesondere, weil Gesichtserkennungssoftware immer öfter im öffentlichen Raum zur Anwendung kommt. Der Microsoft-Präsident Brad Smith steht den neuen technischen Möglichkeiten durch Gesichtserkennung ebenfalls kritisch gegenüber.

Grundsätzlich ist es Zahlungsdiensten der EU rechtlich erlaubt, biometrische Authentifizierungsmethoden zu nutzen. Sie müssen aber technische Regulierungsstandards für eine sogenannte starke Kundenauthentifizierung erfüllen. Das heisst, eine ausschliessliche Authentifizierung über ein biometrisches Merkmal wäre nicht zulässig. Man kennt das Vorgehen als «Zwei-Faktor-Authentifizierung».

Die spanische Bank Caixa hat bereits Bankomaten in Betrieb, die zur Authentifizierung auf Gesichtserkennung statt einem PIN-Code setzen. Das finnische Finanzunternehmen OP testet das Bezahlverfahren in der Hauptsitz-Mitarbeiterkantine. Auch das spanische Kreditinstitut BBVA hat einen Pilotversuch in der eigenen Kantine gestartet. 

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