Glibbriger Rettungsanker aus dem Meer?

Algen in einer Welle

Glibbriger Rettungsanker aus dem Meer?

Vor einigen Jahren waren Algen – wortwörtlich – in aller Munde. Grüne Smoothies mit beispielsweise Chlorella standen hoch im Kurs. Derzeit machen die Wasserpflanzen vor allem als Plage Schlagzeilen. Zwischen dem Golf von Mexiko und Westafrika wuchert der grösste bisher entdeckte Algenteppich.

Dass die Braunalge Sargassum im Nordatlantik wächst, ist nichts Neues. Es gibt sogar einen Teil dieses Meergebiets, den man als Sargasso-See bezeichnet. Aussergewöhnlich ist allerdings, dass die Algenansammlung über einen so langen Zeitraum – seit 2011 – jährlich an Grösse zulegt. 2018 wog der Algengürtel etwa 20 Millionen Tonnen, 10 mal mehr als 2011. 

Als Ursache für das stetige Wachstum wird unter anderem eine Zunahme von Düngemittelrückständen vermutet, die über den Amazonas in den Nordatlantik gelangen und die Algen nähren. In Brasilien stieg der Düngemittelverbrauch zwischen 2011 und 2018 um 67%.

Das übermässige Algenwachstum im Nordatlantik wirkt sich negativ auf den Tourismus aus, da betroffene Strände ohne aufwändige Reinigungsarbeiten kaum mehr nutzbar sind. Auch Flora und Fauna leiden. Tiere wie Schildkröten verheddern sich in dichten Teilen. Sterben die Algen, sinken sie auf den Meeresgrund und werden zur Bedrohung für Korallenriffe.

Wenn Algen nicht in diesem unnatürlichen Masse wachsen, sind sie wichtiger Bestandteil von Ökosystemen. Sie wirken wie ein Filter und reinigen das Meer beispielsweise von Kohlenstoffdioxid CO2. Für die Wirtschaft sind Algen ebenso von Bedeutung: Der kommerzielle Markt soll bis 2024 22 Milliarden US-Dollar wert sein.

Die Verwendung im Nahrungsmittelbereich ist derzeit am populärsten. Aufgrund der enthaltenen Mikronährstoffe gelten manche Arten als regelrechte «Superfoods». Es wird sogar darüber debattiert, ob Algen künftig die wachsende Weltbevölkerung ernähren. 

Auch als Plastik-Alternative eignet sich die stabile Wasserpflanze. Das indonesische Unternehmen Evoware beispielsweise hat Verpackungsmaterial auf Algenbasis entwickelt. Die englische Firma Skipping Rocks Lab hat Behältnisse für Flüssiges auf den Markt gebracht, die ebenfalls teilweise aus Algen bestehen.

Forscher beschäftigen sich zudem mit der Energiegewinnung aus den Pflanzen. Der Autohersteller Mazda zum Beispiel hat bekannt gegeben, in die Entwicklung von Algentreibstoff zu investieren. Der Mineralölkonzern ExxonMobil arbeitet daran, bis 2025 täglich 10’000 Fässer des Bio-Treibstoffs produzieren zu können. Und an der Technischen Universität München versucht man, einen Algen-basierten Sprit für Flugzeuge zu entwickeln. 

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