Grossmeister = Grossverdiener?

Ein Schachbrett mit Figuren

Grossmeister = Grossverdiener?

Dass Schach als Sportart gilt, mag bereits den einen oder die andere irritieren. Dass man damit Geld verdienen kann, erst recht. Zumindest war dem so, bis Netflix die Blockbuster-Serie «Das Damengambit» lancierte. Die siebenteilige Miniserie, die ein Publikum weit über Schach-Nerds hinaus erreicht, erzählt die Geschichte von Beth Harmon, einem Waisenmädchen, das sich an die Spitze der internationalen Schachszene kämpft.

Mit jedem gewonnenen Turnier wird das Leben der jungen Schachspielerin extravaganter – sie hüllt sich in Designerklamotten, jettet um die Welt und konsumiert massenhaft Alkohol und Drogen. Kurzum: Beth Harmon lebt das Leben eines Rockstars – und entspricht damit so gar nicht dem gängigen Bild von Schach-Profis. Da drängt sich die Frage auf, ob man sich den ausschweifenden Lebensstil als Grossmeister leisten kann.

Grossmeister (GM), so nennt der Weltschachbund FIDE ausgewählte Turnierschachspieler*innen. Ursprünglich eine Bezeichnung von herausragenden Schachspieler*innen in Fachkreisen, wird der Titel, der auf Lebzeiten gilt, seit 1950 offiziell verliehen. Im März 2018 trugen 1631 Spieler*innen die Auszeichnung. Alles Profis, die sich ein Leben in Saus und Braus leisten können?

Für den Titel an sich gibt es kein Geld. Doch erstatten viele Turniere den Träger*innen des Titels das Startgeld oder übernehmen gar die Reise- und Unterkunftskosten – steigert Prominenz im Wettbewerb die Attraktivität der Veranstaltung doch nachhaltig. Kost und Logis an Turnieren sind gedeckt, aber wie kommt Geld aufs Konto? Unter anderem mit Preisgeldern, wobei diese weit unter denjenigen von anderen Sportarten liegen.

2018 etwa betrug das Total der Preisgelder an Elite-Level-Schachveranstaltungen 4'865’066 Euro. Teilt man diese Zahl auf die 50 besten Grossmeister*innen auf, so kommt man auf durchschnittlich 29’323 Euro pro Person. Nicht gerade viel für die Besten ihres Faches.

Auch die gängigen Nebenerwerbsmöglichkeiten sind nicht wahnsinnig lukrativ: Viele Grossmeister*innen verdienen sich einen Zustupf mit Unterricht und Publikationen. Damit, so rechnet ein Schachblog vor, komme ein Durchschnitts-GM auf rund 3’500 US Dollar pro Monat: 20 Stunden Unterricht pro Woche à 40 US Dollar pro Stunde. Nur mit diesem eher geringen Pensum, und das sei elementar, bleibe dann auch noch genug Zeit, um an der eigenen Spielpraxis zu feilen.

Grossverdiener*innen gibt es in der Schachwelt aber tatsächlich. Nur sind die nicht breit gestreut. Im Jahr 2018 verdiente Magnus Carlsen, der amtierende Schachweltmeister, 745’211 Euro mit Preisgeldern. Dazu kommen Einnahmen aus Sponsoring und Antrittsgeldern, die man als Top-Spieler*in verlangen kann. 

Der norwegische Weltmeister etwa hat Anfang 2020 einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem maltesischen Glücksspielgiganten Kindred Group, der hinter dem Sportwettbrand Unibet steht, abgeschlossen. Der Fall wurde in der Community kontrovers diskutiert, nicht zuletzt, weil die Werbung von Glücksspiel in Carlsens Heimat verboten ist. Das Rockstarleben würde damit auf jeden Fall drin liegen und zumindest ein Skandälchen ist damit auch schon produziert.

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