«Grüne» Anleihen

Fussabdruck

«Grüne» Anleihen

Der Klimawandel beeinflusst mittlerweile jeden Erdteil. Dabei verändern sich Atmosphäre, Ozeane, Meereis und Gletscher in einem Ausmass und in einer Geschwindigkeit, die in den vergangenen Jahrhunderten bis Jahrtausenden ihresgleichen sucht. Dies bestätigt der im August dieses Jahres veröffentlichte Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Die IPCC-Reports finden breite Beachtung und dienen oft als Grundlage für wissenschaftsbasierte Entscheidungen in der Politik zu Klimaschutz und Klimaanpassung.

Die Dringlichkeit des Problems ist dank Berichten der IPCC immer mehr Regierungen, Organisationen und Unternehmen bewusst. Deswegen liegen auch so genannte Öko-Anleihen im Trend. Diese werden nicht nur von verschiedenen Finanzdienstleistern angeboten, sondern eben auch Staaten und Staatenverbünde investieren das Geld von Anleger*innen in nachhaltige Projekte  – und belohnen den Investmententscheid mit Zinsen. Allen voran die Europäische Union: Sie ist die grösste Herausgeberin von «grünen» Anleihen.

Über die nächsten fünf Jahre möchte die EU damit 250 Milliarden Euro eintreiben. Die Einnahmen sollen den Corona-Hilfstopf zu gut einem Drittel füllen. Der Deal für die Mitgliedstaaten: Das Geld, das sie als Zuschuss oder als günstiges Darlehen erhalten, müssen sie für nachhaltige Investitionen nutzen. Sprich, es muss für die Förderung von Wärmedämmung in Gebäuden, für Ladesäulen für Elektrofahrzeugen oder für ähnlich gelagerte Projekte eingesetzt werden.

Investments, die nicht nur der Vermögensvermehrung dienen, sondern auch ethische und ökologische Anliegen berücksichtigen, sind nichts Neues. Im 18. Jahrhundert distanzierten sich bereits die Quäker von Anlagen in Unternehmen, die mit Waffen oder Sklaverei zu tun hatten. Auch in der jüngeren Vergangenheit lassen sich Beispiele finden: So hiess es in den 1970er Jahren «Kein Geld für Rüstung und Apartheid». Anlagen in Verbindung mit dem Apartheidregime in Südafrika oder dem Vietnamkrieg waren in Kreisen verpönt, die dieser Devise folgten. Investmentvehikel, die voll auf ethische oder ökologische Verantwortung setzen blieben in der Finanzindustrie aber über lange Zeit eine Randnotiz. 

Mit der aktuellen Popularität der grünen Finanzinvestments gehen nun aber auch Probleme einher: Kriterien für die Zertifizierung sind oft nicht ganz eindeutig. So auch im Falle der EU. Die Mitgliedstaaten und die Kommission konnten sich bisher nicht bezüglich der Richtlinien für nachhaltige Investments einigen. Die Geister scheiden sich etwa bei der Atomenergie. Denn da lautet die Gretchenfrage: Ist Atomenergie nachhaltig oder nicht?

Luftaufnahme eines Mähdreschers

Brauchen wir eine Ökodiktatur?

Umweltaktivistin Greta Thunberg fordert, dass Politiker in Sachen Klimaschutz endlich handeln sollen. Das könnte sich auch finanziell lohnen, wie amerikanische Wissenschaftler herausgefunden haben.