Hat Afrika bald die Nase vorn?

Foto mit zwei Programmierern

Hat Afrika bald die Nase vorn?

Weltweit gibt es Millionen von Menschen, die keinen Zugang zu einem Bankensystem haben. Alleine in afrikanischen Staaten südlich der Sahara leben 350 Millionen Personen ohne Bankkonto, das entspricht 17% der weltweiten Bevölkerung ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen. 

M-Pesa gibt Bankkonto-losen Personen die Möglichkeit, Geld aufs Handy zu laden und via SMS-Funktion Zahlungen zu tätigen. Der Service ist seit 2007 verfügbar und hat sich in Afrika schnell etabliert. Alleine im Osten des Kontinents nutzen knapp 30 Millionen Personen den Service. M-Pesa ist mittlerweile auch in nicht-afrikanischen Staaten auf dem Vormarsch.

Afrika gilt aufgrund von M-Pesas Erfolgsgeschichte als Vorreiter, was digitale Bezahlsysteme anbelangt. 50% der Anbieter im Bereich des Handy-basierten Geldtransfers haben ihren Sitz in afrikanischen Staaten. Gemäss McKinsey werden auf dem Kontinent  jährlich Transaktionen im Wert von über 2 Milliarden US-Dollar auf mobilem Weg getätigt.

Vielleicht wird Afrika auch bald hinsichtlich Kryptowährungen vorpreschen. Google Trends hat Anfang Jahr berichtet, dass die Frage «Was ist Bitcoin?» in drei afrikanischen Staaten – Nigeria, Ghana und Südafrika – am häufigsten ins Suchfeld eingetippt wurde. 

Es scheint nicht bei der Internetrecherche zu bleiben. Die Citibank kam 2018 zum Ergebnis, dass in Nigeria am drittmeisten Bitcoin-Besitzer pro Kopf leben. In den weltweiten Top-Sechs finden sich mit Kenia und Südafrika zwei weitere afrikanische Staaten. Nebst dem populären Bitcoin gibt’s in Afrika natürlich auch andere Kryptowährungen. Darunter etwa der Akoin aus Senegal, der vom Rapper Akon ins Leben gerufen wurde.

Nicht nur die Tatsache, dass es in afrikanischen Ländern viele Banken-lose Personen gibt, begünstigt die Verbreitung von Kryptowährungen. Auch instabile Währungskurse machen eine Alternative zum Fiatgeld interessant. Zudem sind Geldtransfers über eine Blockchain frei von Gebühren. Das würde vor allem Subsahara-Staaten entlasten, wo Überweisungsgebühren weltweit am höchsten sind.

Ob sich Kryptowährungen in afrikanischen Staaten tatsächlich schneller institutionalisieren, bleibt abzuwarten. Zumal viele Regierungen durchgreifen und Kryptogeld teilweise verboten haben. Ebenfalls problematisch könnte die Koppelung ans Internet sein, denn stabile Internetverbindungen sind in afrikanischen Staaten noch keine Selbstverständlichkeit.

Christian Lundsgaard-Hansen

«Was wir grundsätzlich brauchen, ist Vertrauen»

Christian Lundsgaard-Hansen beschäftigt sich beruflich u.a. mit Zukunftstechnologien im Finanzwesen. Zusammen mit dem Finanz und Wirtschaft Forum organisiert er die Swiss FinTech Awards. Im Interview erklärt er, weshalb die Blockchain revolutionär ist und welche Rolle eine Bank künftig spielen könnte.